Brot und Spiele bei »Mein Lokal, Dein Lokal«

Posted on Jan 16 2016 - 4:15am by Andreas Molau

»Mein Lokal, Dein Lokal« thematisierte Braunschweiger Lokale. Kulinarisch38 schaltete ein und ganz schnell wieder ab. Man fragt sich: Wer braucht das?

Mein Lokal

Im Katané wird „Mein Lokal, Dein Lokal“ geschaut.

Die Sitten haben sich etwas verändert. Gott sei Dank. Vor langer, langer Zeit schauten die Menschen in Rom in den Arenen zu, wie sich Gladiatoren von Löwen zerfleischen ließen. Mit Brot und Spielen stellte man vor allem diejenigen ruhig, für die das Leben kein Zuckerschlecken war. Und davon gab es viele. Das war in der Antike. Heute gibt es zwar ebenfalls Arenen und Stadien. Aber den größten Unterhaltungswert, um für die gleichen Menschen das gleiche Ziel zu verfolgen, hat der Fernseher. Auf Kabel 1 läuft regelmäßig eine Art Kochshow unter dem Titel »Mein Lokal, Dein Lokal«. Bisher war mir das entgangen. Allein, weil ich in dieser Zeit – gegen 18 Uhr – noch nicht auf diesen Bildschirm gucke. Spätestens jetzt, nachdem ich zwei Sendungen der Reihe gesehen habe, weil sie Lokale in der Region thematisierten, die ich kenne und über die ich schon geschrieben habe, weiß ich: Das wird sich in Zukunft auch nicht ändern. Denn zwar erfreuen sich die Zuschauer heute nicht mehr, wie jemand dem Löwen zu Fraß vorgeworfen wird. Aber die Mechanismen sind die gleichen.

Künstliche Spannungskurven und jede Menge Klischees

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Das Les Amis, war in dieser Woche dabei.

Donnerstag, gegen halb sechs bei Vittorio Ventura im Katané. Stammgäste sind gekommen. Ein Beamer wirft die aktuelle Sendung des Privatsenders auf eine Leinwand. Es geht wohl um Klopse. Und um die Frage, ob die Jugend kochen kann. Sehr spannend. Im Katané gibt es Gläschen Wein und frisches Brot mit einem leckeren Aufstrich. Das Spektakel beginnt. Die Grundidee des Formats. Einige Restaurants aus einer bestimmten Region treten gegeneinander an. Man besucht sich jeweils im Lokal des anderen und testet die Kochkunst. So wie in den Reality-Shows üblich. Wenig überzeugende Dialoge. Künstliche Spannungskurven. Jede Menge Klischees. Hier sind es vor allem Kontrahenten – vom Les Amis und dem Katané – die sich für das gelangweilte Publikum zoffen sollen. Mit dabei noch Ocakbasi, das Wirtshaus Neumanns und der Tresor am Bankplatz.

Rollenverteilung der Regie

Da ist ein Kandidat, dem wohl die Rolle des Nörgelns zugeschrieben wurde von der Regie. Und einen Normalo. Am Ende gibt’s quasi Noten. Die müssen unglaublich beliebt sein. Seit der Schulzeit, als man sich über die ständige Einordnung ärgerte oder zumindest genervt war, zieht sich das wie ein roter Faden durchs Leben. Man vergibt gerne Noten, Sterne, Kringel oder was auch sonst. Besonders für andere. Da wird dann lustlos im Essen rumgestochert. Dem einen ist’s zu viel Sauce, dem anderen zu stark oder zu wenig angebraten. Man kommt sich vor wie zu Tisch mit den eigenen Kindern. Zu Mäkeln gibt’s immer was. Aber das Format muss ja erfolgreich sein. Bei Facebook zeugen dutzende von überheblichen, besserwisserischen, aber auch einigen fairen Kommentaren davon.

Wir würdigen, statt zu mäkeln

Und auch wenn’s reißerisch gut zu vermarkten sein wird. Wir bleiben bei Kulinarisch38 bei der Regel. Wir beschreiben, charakterisieren und würdigen das, was andere machen. Aber ziehen es nicht durch den Kakao. Ob ich als Schreiber viel oder wenig Sauce mag. Ob ich sie darauf oder daneben bevorzuge, ist völlig unmaßgeblich. Ich beschreibe, was ich vor mir habe und entdecke dabei selbst Neues. Wenn ich sonst wenig Sauce mag, lasse ich mich auf die andere Gewohnheit ein. Wenn ich dieses oder jenes Gewürz bisher nicht mochte. Ich lasse mich darauf ein. Und dann kann am Ende jeder selbst entscheiden, ob er das auch probieren möchte oder nicht. Entscheidend ist, ob das, was in der Küche da gemacht wird, mit Sorgfalt, Können und guten Zutaten gemacht wird. Alle Restaurants, die in dieser Staffel vorgestellt worden sind, sind in ihrem Bereich und auf ihre Weise gut. Da kann ich auf die Schaukämpfe vor der Kamera gern verzichten. Statt »Mein Lokal, Dein Lokal« zu gucken, sollte man lieber selbst kochen.

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