Auf die Freundschaft: Im Les Amis

Posted on Mai 18 2016 - 4:46am by Andreas Molau

Im Les Amis kann man kulinarische Freundschaften von Dauer knüpfen. Diesmal überraschte uns Sami Ben Ammar wieder einmal aufs Neue.

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Eigentlich merkt man auf den ersten Blick, wenn es einen trifft. Sympathie ist ein Ereignis. Wie die Liebe. Sie kommt oder kommt nicht. Ob aus dem Flash allerdings eine Freundschaft, eine Beziehung wird, das zeigt sich. Spätestens beim zweiten oder dritten Mal. Die erste Begegnung im Les Amis war so ein Ereignis. Sami Ben Ammar war Kommunikator seiner kulinarischen Ideen und Koch zugleich. Die Seezunge ein Traum. Nun war es ein Spontanbesuch, der nach Stöckheim führte. Wer kennt das Gefühl nicht? Man blickt in den Kühlschrank und in seinen Magen. Und beide weisen Ähnlichkeiten auf. Sie sind ebenso leer, wie das Kraftfeld nach einer arbeitsreichen Woche. »Wo wollen wir hingehen?«, die erste Frage. »Mit wem?«, die Zweite. Bruder, Schwägerin, Kinder. Manchmal passt es zeitlich und dann fällt man in familiären oder Freundeshorden ein. Im Les Amis ist so ein Familienschwarm jedenfalls willkommen. Der Chef ist gut gelaunt und nimmt einem nicht nur die Jacke, sondern auch das Blättern in der Karte ab. Ich liebe das. Eine Empfehlung ist wie ein erster Gruß aus der Küche. Und Sami Ben Ammars Empfehlungen sind gut.

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Seliges Lächeln im Gesicht

Nicht überspannt. Denn das gibt’s auch. Da wird die Wein- oder die Speisenempfehlung nicht selten ausgenutzt und nach der ersten Euphorie, schlägt einem die Rechnung auf später gehörig den Magen. Hier fand ich es reel. Die Vorspeise war gleich einmal ein Traum. Leicht, fruchtig und cremig. Und vor allem nicht langweilig. Eigentlich hätte es dazu eines eigenen Weines bedurft. Aber immerhin hatte ich noch etwas vom vorzüglichen Prosecco, der diesen Nudelgang gut begleitete. Die Rondelli Orange waren ein kulinarischer Türöffner. Gefüllt mit Ricotta und mit etwas Parmesankäse bestreut zaubern sie in jedes Gesicht mit sensiblen Geschmacksorganen ein seliges Lächeln. Mit einem Stück Brot lässt man hier kein Tröpfchen dieser frischen Sauce übrig.

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Harmonie, Harmomie, Harmonie…

Als Hauptspeise überzeugte schon bei der Schilderung das Kalbrückensteak. Auf dem Teller hielt es, was Sami Ben Ammar versprach. Zart und mürbe. Und die Sauce. Da steckten Zeit drin und gute Zutaten. Eine gute Sauce ist wie ein Gedicht – so wie der Dichter Gefühle und Sehnsüchte verdichtet, so werden alle guten Aromen hier zur Essenz des Wesentlichen. Bei so viel Komplexität braucht es einen einfachen Begleiter. Das waren der à Point gegarte Brokkoli und schmackhafte Rosmarinkartoffeln. Der Rotwein, ein Ronchedone, passend in seiner leichten und trotzdem vielschichtigen Art. Die ahnungsvollen Noten von Gewürzen harmonierten mit der Sauce vor allem. Und die Fruchtigkeit machte diese Begleitung nicht zu schwer.

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Zum Dessert ein Klassiker. Ein Panna Cotta wie es sein muss. Cremig, sahnig und trotzdem nicht erdrückend. An einem solchen Abend ist es einem egal, warum selbst so etwas scheinbar Einfaches in anderen Fällen auch misslingen kann. Denn bei gutem Essen, netten Begleitern und einer herzlichen Bewirtung, zählt nur das Geschmackserlebnis. Und das war im Les Amis wieder vorzüglich.

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