Denver Künzer braut Bier

Nun haben wir in Wolfenbüttel eine neue Braustätte. In Denvers Teehaus ist eine Küche umfunktioniert worden, damit dort zukünftig ein neues Wolfenbütteler Bier gebraut wird.

Hier wird noch mit der Hand gerührt…

Mein erster Impuls. Oh, nein. Nicht noch einer, der in Wolfenbüttel Bier braut. Jahre, ja jahrzehntelang war die Lessingstadt Brachland für Freunde des regionalen Biers. Und nun geht es Schlag auf Schlag. Stebi, der mit seiner Brauerei und Braubar inzwischen auf ein erstes Wolfenbütteler Braufest zusteuert. Die Mad Dukes, die sich noch in der komplizierten Genehmigungsphase befinden und nun Denver. Wir hatten schon so lange vor uns zu treffen, dass ich die Bedenken hinten anstelle und mich gespannt auf den Weg mache. Gerade hatte ich noch in meinem alten Wolfenbütteler Heimatviertel die Sylter Eisdiele für mich entdeckt. Nun also Denvers Haus am Ortsausgang Wolfenbüttel auf der Frankfurter Straße. Gegenüber »Feinkost Aldi«. Und wer dort billig eingekauft hat, der sollte drüben gucken, wie richtig guter Tee schmeckt. Und bald natürlich auch Bier. Während wir miteinander plaudern und Denver zwischendurch in einem überdimensionierten, von außen isolierten Kochtopf rührt, probiere ich den Gerstensaft von seiner Hand – buchstäblich – und beginne zu begreifen. »Noch einer« passt wenig. Nicht nur wegen des exzellenten Bieres, das da gerade an diesem sonnigen Samstag duftend entsteht. Denver ist schon seit dem Jahr 2012 mit dem Thema Bier beschäftigt, da fragt man sich eher: Warum erst jetzt?

Denver Kürzer bastelt selbst an seiner Ausrüstung fleißig herum…

Vom Tee zum Bier

Eher warum überhaupt? Denn Langeweile dürfte der freundlich und ruhig wirkende Bartträger nicht haben. Er hat einen guten Job bei der Bank, eine Familie mit Kindern. Und jeder Familienvater und jede Mutter weiß: Das allein reicht eigentlich schon. Für Denver nicht. Es war 2005, als er sich entschied, sich neben Zahlen und Kontodaten auch noch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Und zwar mit Tee. Und darauf muss man erst mal kommen. Im Zeitalter des grassierenden Internetverkaufs setzte er zunächst einmal nicht auf die virtuelle Welt, sondern richtete sich in seiner Wohnung zusammen mit seiner Frau ein Zimmerchen ein, in dem er duftende Tees feilbot. Mit Flyern bekannt gemacht, lief das gar nicht schlecht. Aber auch das genügte nicht. Aus einem anderen Hobby, dem Fotografieren, entstand über die Jahre ein kleines Atelier, in dem sich Denver um Hochzeitsfotos, Porträts und andere Motive kümmert. Und nun also auch noch das Bier, frage ich. Während er gerade die heiße Maische vom Topf in einen Eimer zum Läutern umgießt, überlegt er einen Augenblick und verrät dann sein Geheimnis.

Das Protokoll wird genau geführt.

Ordnung und Fleiß

Als Historiker würde ich sagen, Denver Künzer ist so etwas wie ein Preuße. Alle guten Eigenschaften vereinigt er in seiner Person: Fleiß, Ordnung, Verlässlichkeit. Und auf die negativen Eigenschaften hat er verzichtet. Er ist locker und humorvoll. »Mein Tag ist einfach gut durchstrukturiert. Und wenn man sich an diese Struktur hält, dann ist das alles kein Problem«, lacht er. Das Etikett Preuße beschäftigt ihn einen Augenblick. Er denkt an seinen Opa und stellt dann fest: »Gar kein schlechter Gedanke.« Das Fenster steht sperrangelweit offen. Der Sommer sucht sich seinen Weg in die kleine Teeküche, die nun also seit Kurzem auch zur Braustätte geworden ist. »Meine Überlegung war, dass ich ein wirklich handgemachtes Bier für mein Viertel hier machen möchte«, erzählt er. Handgemacht heißt, dass der Neu-Brauer auf Hilfsmittel wie etwa den voll automatisierten »Braumeister« – eine Art Thermomix für Mikrobrauer – , der die Produktionsschritte steuert, verzichtet.

Das sieht doch schon ein bisschen nach Bier aus.

Verträglicher Gerstensaft

Der Impuls zum Brauen kam aus dem eigenen Erleben. »Ich habe schon von einem halben Liter Bier oft Kopfschmerzen bekommen und habe mich deshalb mit der Herstellung von Bier beschäftigt«, erinnert er sich an das Jahr 2012. Zur Klärung des Bieres werden in den industriell betriebenen Brauereien Stoffe eingesetzt, über deren Gesundheitsverträglichkeit sich die Gelehrten streiten. Und: Meist wird Hopfenextrakt verwendet. Zur Freisetzung des Aromas bedarf es hierbei wiederum der Chemie. Und von der wollte Denver nichts in seinem Bier haben. Die Mittel für die abschließende Reinigung sind Chemie genug, denkt er. Also vertiefte er sich in die Kunst des Brauens und stellte Sud um Sud her. Nach seinem ersten Versuch, einem Kölsch, das nicht so gut gelang, wurde es immer besser. Geschmacklich gut und ganz ohne Kopfschmerzen. Das Brauen blieb Hobby, bis Andreas Stebner, bei dem Denver schon Brauseminare gab, kam und ihn dazu ermutigte, den Schritt zu wagen. »Ich schrieb also die entsprechenden Ämter an und wir besprachen hier, was zu tun wäre«, erinnert er sich.

Und das erst recht… Vor allem duftet es jetzt schon.

Der Start für Denvers Bier

Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei richtig unkompliziert gewesen: »Ich wusste dann, was ich zu tun habe. Und das habe ich Stück für Stück erfüllt.« Und nun hat er also die Lizenz zum Brauen, Ausschenken und Verkaufen. In Zukunft sollen vor dem »Denverhaus« noch Tische und Stühle aufgestellt werden, damit sich die durstigen Kehlen dort gleich eines seiner Biere genehmigen können. Ein süffiges Landbier etwa, oder Weißbier. Vielleicht auch ein IPA. Damit die Versorgung demnächst gesichert ist, hat Denver aufgerüstet. Es kommt bald ein 75 Liter Topf mit einem integrierten Rührwerk. Der Rest bleibt aber Handarbeit, versichert er. Wie das Ganze wird, darauf ist er selbst gespannt. Wie das Bier angenommen wird? Ob er genug hat? Oder zu viel? Zu viel Biersorten kann es in jedenfalls in einer Stadt wie Wolfenbüttel kaum geben. Vielfalt erfreut. Und wenn man dann in Zukunft je nach Laune wechseln kann, dann trägt das absolut zur Attraktivität der Region bei. Die hängt vom Engagement von Menschen wie Denver Künzer ab. Woher die ihre Motivation nehmen ist meine Abschlussfrage: »Ich liebe es, etwas selbst herzustellen und mich dann daran zu erfreuen. Oder zu sehen, wie sich andere daran erfreuen.« Den »Gefallen« tue ich ihm gern.

So sitze ich gerade bei einem Gläschen Stout-Bier, das eigentlich noch etwas hätte lagern sollen. Ich hatte es als Probeflasche mitbekommen. Aber bis Anfang August wollte ich nicht warten. Und die heimische Verkostung bestätigte mich in meiner Ungeduld…

Und natürlich muss auch probiert werden.




Sylter Flair am Rande von Wolfenbüttel

Wir haben am Wochenende eine Regenpause ausgenutzt und uns den süßen Freuden des Lebens hingegeben: In der Sylter Eisdiele.

Neulich war ich Braunschweig mittags essen. In der Vielharmonie. Ein Restaurant, das schon lange auf der Liste für einen abendlichen Besuch steht. Der Mittagstisch ist klasse. Es gibt immer entweder ein Vorsüppchen oder ein Dessert. Beim letzten Mal beantwortete ich die obligatorische Frage nach einem Dessert ohne lange nachzudenken abschlägig. Vielleicht habe ich der Küche unrecht getan. Aber der süße Abschluss wird in der Gastronomie oft stiefmütterlich behandelt. Es gibt keine anständigen Desserts mehr, so scheint es mir manchmal. Entweder nur süß oder auf jeden Fall einfallslos – und viel zu süß. Dabei können „Dolci“ so einfallsreich sein. Hanns-Josef Ortheil hatte mich erst kürzlich mit einem kulinarischen Reisebericht in die „süßen Paradiese Siziliens“ entführt. Ein grandioses Buch, das Lust auf den tiefen Süden des Kontinents macht oder zumindest auf gute Nachspeisen. Offenbar verstehen die Sizilianer etwas davon. Und tatsächlich: Im Katané in Braunschweig gibt es Cannolis, die einen so himmlischen Kontrast zwischen knusprig leichten Teig und süß, aromatischer Creme entfalten, dass man eine Ahnung davon bekommt, was die Dolci alles können. Aber ansonsten ist eben oft selbst beim Italiener um die Ecke oft auch nicht viel mehr zu bekommen als das obligatorische Tiramisu oder Panna cotta.

Gute Empfehlungen

Insofern ist auch Eis immer so eine Sache. Auf das aufgepimpte, klebrig süße Industrie-Eis, das vermutlich kaum eine echte Frucht gesehen hat, kann ich schon lange verzichten. Wenn überhaupt, dann mal ein Häagen Dazs. Aber am Besten doch zur Eisdiele – etwa in der Autostadt oder in Wolfenbüttel bei Martini auf der Langen Straße. Seit einiger Zeit gibt es am Rande Wolfenbüttels – ausgerechnet am Alten Schlachthof – eine Sylter Eisdiele, von der ich schon viel Gutes gehört habe – Susanne Röder vom Röber Gourmetmarkt schwärmte und auch im Facebookprofil vom Assegriller Thorsten Nowak konnte ich neulich auf der Facebook-Timline ein freudiges Gesicht beim Schlecken einer Kugel Eis sehen. Also: Trotz des Wochenendregens ging’s nach Wolfenbüttel, über die Adersheimer Straße – dort vorbei, wo ich die ersten Jahre die Schulbank drücktet, zur Eisdiele. Sylter Flair mitten im Gewerbegebiet. Die Sylter Eisdiele ist eine kleine Insel. Einfache Holztische, die von hübsch angelegten Beeten gesäumt werden, eine gelöste Stimmung bei einem Publikum, das ganz und gar gemischt ist. Ältere Herrschaften, Radler, Cowboy-Freaks, kleine Kinder. Die Eistheke drinnen erinnert in ihrer hellen Aufgeräumtheit wirklich an das Urlaubsparadies an der Nordsee.

Einfach gut

Und das Eis? Zum Test nehme ich mein Lieblingseis – das Spaghettieis. Es wurde 1967 erfunden von einem Dario Fontanella und hat seitdem einen Siegeszug ohnegleichen gefeiert. Über Schlagsahne wird Vanilleeis durch eine Spätzlepresse gepresst und mit Erdbeersauce und geraspelter weißer Schokolade garniert. Eine ebenso einfache wie geniale Idee. Die Qualität jeder Küche kann man, finde ich, zuerst immer an den ganz einfachen Dingen testen. Vanilleeis und Sahne mit Erdbeersauce, das sind solche Essentials. Und: Die Lobeshymnen stimmen tatsächlich. Dieses Eis ist einfach klasse. Ein zarter Schmelz, angenehm sahnig und trotzdem nicht zu schwer. Nuancierte Vanille- und Erdbeeraromen, guter, reiner Sahnegeschmack – und vor allem ist es nicht zu süß. Während wir unsere Sorten still genießen – Kaffeeeis und Schokolade bei meinen Lieben – seufzt eine ältere Dame verzückt, nachdem sie den ersten Löffel ihres Gefrorenen zu sich genommen hat: „Himmlisch. Der Tipp war wirklich gut.“ Wer es also noch nicht den Weg in den Westen der Lessingstadt geschafft, der sollte das unbedingt tun. Denn es gibt sie noch, die Dolci.




Apfelbratwurst in der »13«

Ich treffe mich mit Sam Harvey, Marina Mazjuk und Frank Heine im »Zimmerhof 13«. Ab Sonntag gibt‘s dort eine exklusive Apfelbratwurst.

Wenn man von den Krambuden in Richtung großer Zimmerhof in Wolfenbüttel geht, entsteht schon eine Ahnung, welches Potenzial in Wolfenbüttel liegt. Die Bögen über den Balustraden wölben sich gemütlich, über dem traditionsreichen Gemäuer. In der Mitte des entstehenden Platzes um das das alte Karstadtgebäude entsteht ein modernes Wasserspiel. Und denkt man sich dann noch als zentrales architektonisches Ereignis das neue Löwentor als pulsierende Herzkammer der Lessingstadt, dann steht vor dem geistigen Auge Geschäftigkeit. Auch dort, im großen Zimmerhof, wo die Stadt jetzt noch Baustelle ist. Aber es tut sich etwas. Als ich mich jetzt mit Sam Harvey treffe, dem Wolfenbütteler »Börgermeister« und Koch im Irish Corner in der Kommisse, staune ich nicht schlecht. Wo auf der gegenüberliegenden Seite des alten Okerarms noch bräunlich, angegammelte Rollgaragentore den Blick beleidigen, ist das alte Mäuerchen zum Wasser hin, auf der Generationen von Kindern »balanciert« haben mögen – einschließlich mir selbst –, durchbrochen. Breite Stufen, mit hellem freundlichen Stein führen zur träge dahinfließenden Oker hin. Ein Ort, an dem Touristen und Einheimische bald verweilen werden, weil es doch eben der Augenblick ist, der so schön sein kann. Und an der Ecke, die »13«. Jene Kneipe, in der das erste Bier nach dem Abitur geschmeckt hat und in dessen Biergarten man so herrlich auch im fortgeschrittenen Alter sitzen kann.

Sams kulinarische Idee

Sam hatte mal wieder eine kulinarische Idee. Und die führt uns an diesem Tage zusammen. In der Kneipe wird noch gewienert, während uns Marina Mazjuk aufschließt. Mir, Sam und Frank Heine. Der Anlass: Während bei Slims eine kurze Sommerpause ansteht, möchte Sam sich ab Sonntag als Gastgriller im Zimmerhof 13 betätigen. Und weil er nicht nur seinen Grill mitbringen wollte, kam er zu Frank Heine mit einer besonderen Bratwurstidee. Aus seiner Kindheit kennt Sam eine Apfelbratwurst. Und die wollte er nach Wolfenbüttel bringen. »Ich fand die Idee sofort gut«, erzählt Frank Heine. Er machte sich an die Produktion und die Belegschaft und sam waren sofort zufrieden. »Der Apfel bringt eine wunderbare Saftigkeit in die Wurst«, meint Sam und verschwindet mit den Probebratwürsten in der Küche. Nach dem ersten Versuch verdoppelte Frank Heine noch einmal die Apfelmenge, verfeinerte die rohe Bratwurst mit Calvados und Salbei. Marina Mazjuk, mit der wir uns es draußen im Biergarten gemütlich gemacht haben, freut sich über das kurzzeitige kulinarische Angebot und hofft auf besseres Wetter.

Auf ein Bierchen in die Innenstadt

Unter den Schirmen aber kann man im Biergarten selbst einen kurzen Schauer überstehen, wie wir feststellen, während Sam mit vier Bratwürsten aus der Küche kommt, die er in gute Richter Abendbrötchen gesteckt hat. Um den Geschmack zu testen, gibt es kein Senf. Marina bringt noch passend ein Fläschchen kühlen Cider mit. Alle sind sich einig. Die Wurst ist ein echtes Erlebnis. Saftig, mit einem deutlichen, aber nicht dominierenden Apfelgeschmack, dazu gut gewürzt. Ein Cider passt tatsächlich bestens. Ab Morgen wird die Apfelbratwurst dann für alle Gäste angeboten. Für die Zuhausegebliebenen ein guter Anlass, endlich mal wieder in der Innenstadt ein kühles Bier oder eben Cider zu trinken und zu beobachten, wie sehr sich die Stadt zum Positiven entwickelt. Dass die Wolfenbüttelerinnen und Wolfenbütteler auch noch so kreativ miteinander zusammen arbeiten, macht die Sache und das dieses kulinarische Event nur umso sympathischer.




Griechisches Fest in der Taverne Cavos

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Wer kennt sie nicht? Die drei Stühle, die man braucht, um glücklich zu sein. Griechenlandurlauber kennen sie vor einer Taverne. Fans des Liedermachers Reinhard Mey aus seinem Lied »Tris Karekles«. Manchmal muss man aber gar nicht so weit fahren, um diese Stimmung zu erleben. In der Taverne Cavos konnten wir neulich einen griechischen Abend erleben, der einen in absolute Urlaubsstimmung versetzte. Bei diesem Wetter gerade das Richtige. Ein Buffet mit allen Köstlichkeiten, die das Herz begehrt. In ausverkauftem Haus wurde jeder einzelne Gast herzlich begrüßt. Die Reihen waren mal etwas durchmischt, denn beim Essen werden Fremde zu Freunden. Vollends zum urlaubsähnlichen Erlebnis wurde der Abend durch stimmungsvoll griechische Musik. Fans der Küche in der Taverne Cavos waren wir schon vorher. Jetzt zeigt sich auch noch: Dort sind leidenschaftliche Gastgeber am Werk, die auch echte Feste zu feiern verstehen. Gott sei Dank mit mehr als drei Stühlen…

 




Orangewood erfindet das Schneidebrett neu

Orangewood erfindet das Schneidebrett neu und verarbeitet Holz zu innovativen Dingen.

Auch für Kulinariker gibt es einige interessante Sachen. Manche Dinge brauchen lange. Sehr lange. Die Reportage über Orangewood zum Beispiel. Als ich auf der Hamburger Straße in der kleinen Werkstatt war, hatte die Sonne noch richtig Kraft. Die Chronik des Facebookmessangers hält gnadenlos fest: Es war August. Dann der Vorsatz: Das ist ein zeitloser Beitrag. Der passt immer. Also fraß sich die Zeit in den Entschluss. Und mit der Zeit legen sich Notizen, Aktenberge über diesen Sommertag, an dem ich die Klingel des »Herstellers für hochwertige Holzprodukte« suchte. Nicht ganz leicht. Hinter der Einfahrt der Hausnummer 237 a erstreckt sich ein lang gezogener Parkplatz und verschiedene Gebäude. Offenbar sogar eine Schule. Orangewood ist das Zweitprojekt einer bereits erfolgreichen Produktdesignschmiede. Das wird mir erst im Gespräch mit Magdalena Pajonk und ihrem Partner Jens Bingenheimer klar. Hochwertige Holzprodukte sind nicht auf den ersten Blick die Zieladresse für Kulinarisch38-Berichte. Aber auf den zweiten schon.

Zeitlos und vielgestaltig

Was passiert, wenn Menschen, die sich an die Neugestaltung und Optimierung von Produkten machen, nicht mehr »ausgelastet« fühlen? In diesem Fall jedenfalls entstand eine Idee, Dinge in die Welt zu bringen, die zeitlos sind, wertig und – ganz gegen den Zeittrend – die sogar eine Generation überspringen können. Keine Wegwerfmöbel, sondern Begleiter mit Charakter. Mit Ecken und Kanten. Zeitlos und daher nie modern oder unmodern. Jens Bingenheimer ist eigentlich Tischler, kommt dann zum Produktdesign und findet schließlich vor ein paar Jahren in die alte Faszination des Werkstoffes Holz zurück. Ein Werkstoff, der nachhaltig ist, lebendig und in den man Inspiration eine zeitliche Dauer geben kann. Magdalena Pajonk, die als Produktdesignerin von der Vielgestaltigkeit ihres Berufes lebendig erzählt, merkt man an, dass sie noch unzählige Ideen für dieses kleine Orangewood Projekt hat, das wie die Kür nach der Pflicht wirkt.

Aus alt mach neu

Es entsteht nicht, was Auftraggeber sich vorstellen, sondern was die beiden für richtig und wichtig halten. Und wenn es Aufträge sind, denn Orangewood verwirklicht auch Ideen in Einzelanfertigung, so solche, die die beiden sich zu eigen machen konnten. Identität bedeutet, dass jemand oder etwas eins mit sich ist. Und nach einer Stunde spüre ich, das ist hier der Fall. Wenn einfache Dinge, wie ein Schneidebrett Faszination auslösen, dann steckt hinter den Machern mehr als Marketing und Betriebswirtschaft. Diese Schneidebretter waren das, was mich überhaupt interessierte. Ein Schneidebrett ist ein Schneidebrett, ist ein Schneidebrett. Könnte man meinen. Gut, über das Material kann man sich streiten. Aber sonst? Nicht so bei Orangewood. Da wird aus dem archetypischen Küchenutensil etwas ganz Neues.

Das Schneidbrett bekommt »Beine«

Schneidebretter hier – aus Ahornholz – heißen nicht nur schön, »Liebling« oder »Brotfreund« etwa, sie haben auch »Beine« bekommen. »Einmal sind die Arbeitshöhen oft viel zu niedrig«, erklärt Jens Bingenheimer seine Produktinnovation und zudem seien sie eben zudem noch unpraktisch. Beim »Liebling« kann man deshalb eine Schüssel unter die Schneidunterlage stellen und die gewürfelten oder in Scheiben geschnittenen Kochzutaten direkt in die Schüssel purzeln lassen. Beim »Meisterbrett« ist die Schüssel sogar integriert. Während wir uns mit einem Mineralwasser erfrischen, kann ich exklusiv erfahren, was Produktdesign ist: Längst Bekanntes so anzureichern oder zu verändern, dass etwas ganz Neues daraus wird. Jedes Stück ein kleines Unikat. Sushi wird in Deutschland schon länger hergestellt. Mit den Sushibrettern wird der kulinarische Genuss in der Zubereitung nicht nur funktionaler, sondern erfreut auch ästhetisch das Auge.

Wärme und Geborgenheit

Dazu gibt es im Angebot von Orangewood Holzvasen, Teelichtobjekte oder Kerzenhalter, die für eine Tischkultur wie das letzte Gewürz in einem Menü sind. Holz vermittelt ohnehin Wärme und Geborgenheit. Bei der Auswahl dieser Hölzer und einer reduzierte Form, die den Wert des wunderbaren Werkstoff noch unterstreicht, wird in Struktur und Maserung jedes Stück zum kleinen Unikat. Orangewood sollte man auf dem Radar haben. Jedenfalls wenn man Lebenskultur schätzt. Gut, dass zwischen den Jahren immer etwas Luft ist. Liegengebliebenes kann aufgearbeitet werden. Und diese Empfehlung möchte ich den Kulinarisch38-Nutzern auf keinen Fall vorenthalten.




Projektstart für „Honig vom Dach“

PM-EDEKA. EDEKA Ankermann und die Imkerei Rautenberg setzen nach intensiver Planung und Vorbereitung jetzt ihr gemeinsames Projekt in die Tat um: „Honig vom Dach“. Der selbstständige Kaufmann Toralf Ankermann und sein Team bieten ihren Kunden einen direkten Bezug zu nachhaltig produziertem Honig und zur Biene. Am 8. April ziehen die Bienen im neuen Zuhause auf dem EDEKA-Dach ein.

Auf dem Dach des Neubaus von EDEKA Ankermann in Leiferde werden ab April bis zu acht Bienenvölker der Imkerei Rautenberg aus Müden/Aller die Kunden mit bestem Honig aus der Nachbarschaft versorgen. Auf dem Dach wurde eigens eine große Holzplattform installiert. Die Bienenvölker werden per Seilwinde auf das Dach gebracht, auf diesem Weg wird später der gesammelte Honig herunter transportiert. Der Clou: Die Kunden können per Webcam und Monitor direkt im Markt das fleißige Treiben der Honigbienen beobachten. „Wir bieten gerne interessierten Kunden an, zu abgesprochenen Terminen direkt einen Blick in ein Bienenvolk zu werfen“ erklärt Verkaufsleiter Thomas Witte. „Dafür müssen wir aber nicht zwangsläufig aufs Dach. Familie Rautenberg bietet Führungen beispielsweise auf ihrem Hof in Müden/Aller an.” Ein Bienen-Schaukasten mit weiteren Informationen in der Nähe des EDEKA Ankermann in Leiferde ist ebenfalls in Planung.
Am 8. April ist es nun soweit. Ab 10 Uhr werden die Bienenvölker auf dem Dach des EDEKA Ankermann ihr neues Zuhause finden. Martin und Nadja Rautenberg werden an diesem Tag den Kunden für Fragen rund um das Thema Bienen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Große Aktion zum „Bienen-Einzug“

Für die Kunden wird es richtig spannend. Passend zum anstehenden Einzug der Bienen plant der Markt am Samstag, den 8. April 2017 tolle Aktionen. Das Markt-Team setzt überall auf das Thema Honig. So wird es köstliche Rezepte mit der Natursüße geben, die ideal zum Nachmachen sind. Die Bäckerei Leifert will leckeren Bienenstich anbieten und wer es lieber herzhafter mag, ist am Bratwurststand vor dem Markt genau richtig. Hier gibt es zum Beispiel Steaks mit Honig-Marinade.
Das NABU-Artenschutzzentrum Leiferde wird an diesem Tag ebenfalls mit einem Stand vor Ort sein und über seine Arbeit informieren.
Kunden sind gefragt: Namenssuche für den „Honig vom Dach“

Für den „Honig vom Dach“ wird auch noch ein passender Name gesucht. Vorschläge können ab 8. April auf den Facebook-Seiten von EDEKA Ankermann und der Imkerei Rautenberg, per E-Mail unter info@edeka-ankermann.de oder über das Kontakt-Formular der Imkerei Rautenberg unter www.imkerei-rautenberg.de abgegeben werden.

Bienen wichtig für Überleben von Mensch und Natur

Die Honig-Biene (Apis Mellifera) liefert nicht nur leckeren Honig, sondern sichert auch das Überleben von Mensch und Natur. Albert Einstein soll gesagt haben, wenn die Bienen aussterben, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Mit diesem Projekt wollen das Team von EDEKA Ankermann und die Imkerei Rautenberg daher nicht nur köstlichen Honig erzeugen. Das gemeinsame Ziel: Ein Bewusstsein für nachhaltig erzeugte Lebensmittel schaffen. Da der Honig direkt am EDEKA-Markt erzeugt wird, hat er nachweislich den kürzesten Lieferweg und einen geringeren CO2-Fußabdruck.

Rund ein Drittel der Nahrungsmittel/Rohstoffe wachsen nur, weil sie von Bienen und anderen Insekten bestäubt werden. Während sie mit dem Sammeln vom Nektar und Pollen beschäftigt ist, trägt allein die Honig-Biene 80 Prozent zur Bestäubung der Pflanzen bei. „Die Leiferder können sich deshalb nicht nur über leckeren Honig von ihren eigenen Pflanzen freuen, sondern auch über höhere Erträge im Nutzgarten“, erklärt Imker Martin Rautenberg „Weil die Bienen in einem Umkreis von bis zu drei Kilometern um ihren Stock fliegen, dürfen sich alle Gartenbesitzer in Leiferde über einen Besuch der einen oder anderen Biene vom EDEKA-Dach freuen.“

Bienen sind friedliche Tiere

Trotz der vielen Bienen, die auf den Dach leben werden braucht niemand Angst zu haben. „Bienen sind sehr friedliche Tiere, die erst aggressiv reagieren, wenn sie bedroht werden. Auch das Essen auf der Terrasse oder im Garten bleibt ungestört. Die Bienen interessieren sich mehr für die Blüten der Pflanzen statt für das Marmeladenbrot“, betont Imkerin Nadja Rautenberg. „Die Übeltäter sind hier vielmehr die Wespen, die fälschlicherweise für Bienen gehalten werden. Wer jedoch einmal in Kontakt mit einer Biene kommt, sollte sich einfach ruhig verhalten und nicht nach ihr schlagen. Sollte sich mal ein Bienenschwarm im Garten verirren, würde wir uns über eine Meldung freuen.“ Das Imkerpaar holt die Bienen dann gern ab und bringt bestimmt auch ein Glas Honig mit. Wer einen Schwarm im Garten hat, bekommt dieses Naturschauspiel sofort durch extrem lautes Summen mit. Entdeckt man dann noch im Baum eine große Traube aus Bienen, kann man sich dennoch sicher fühlen. Auch von den schwärmenden Bienen geht keinerlei Gefahr aus.




Das Winzerdinner im Terra geht bald in eine neue Runde

Wir waren einmal wieder im Terra im The Ritz Carlton und trafen dort nette Menschen und erneut einen tollen Winzer: Christian Stahl.

Das Winzerdinner im Restaurant Terra im The Ritz-Carlton Wolfsburg ist für Kulinariker der Region längst kein Geheimtipp mehr. Nachdem ich im letzten Jahr das Weingut Stahl »verkostet« habe, nebst kulinarischer Begleitung aus der Terra-Küche, hat es mich unlängst wieder nach Wolfsburg gezogen. Das Wetter war schon herrlich und duftete nach Vorfrühling, die Lust auf ein gutes Menü also noch größer. Auf dem Programm stand – wieder – das Weingut Stahl. Letztes Mal hatte ich mir nach dem Abend nicht die übliche Bestellung gegönnt. Wer kennt das nicht? Man probiert im Urlaub einen tollen Wein und nimmt sich, wenigstens mit sechs Flaschen, eine kleine Erinnerung mit, die man dann beim Fotogucken genüsslich entkorken kann. Und was ist Essengehen anderes als ein kleiner Urlaub. Zumal im Terra. Also schadet die Wiederholung nicht. Zumal das Menü natürlich neu sein sollte.

Herrlich entspannte Atmosphäre

Die Atmosphäre im Terra ist herrlich entspannt. Und auch das aktuelle Menü war wieder einmal dazu angetan, die Seele baumeln zu lassen. Nach kleinen Brotvariationen kam mit der Vorspeise gleich ein kulinarischer Höhepunkt. Das Tatar vom Rind wurde in feiner Begleitung serviert – mit gepickeltem Gemüse, Zwiebel-Marmelade und einer feinen Schnittlauchcreme. Mix Pickle – als Kind fand ich das immer sonderbar, wenn mein Vater das zu einem gepflegten Tatar aß. Aber das »Gemischte Eingelegte« passt mit seiner leichten Säure tatsächlich bestens zu dieser Rindfleischspezialität und wird das nächste Mal zu Hause auch gereicht. Da muss man also erst im Terra essen, um diese Erfahrung zu machen und seinem alten Herrn so spät zustimmen zu können… Zu der Vorspeise gab es einen herrlich duftigen Botenstoff. Eine Scheurebe, die ich mir als Erinnerung für diesen Abend auf jeden Fall bestellen werde. Zwischendurch gab es ein prickelndes Sorbet. Ich liebe diesen Zwischengang, der leider viel zu selten angeboten wird und für ein genussvolles Innehalten bei einem Menü sorgt.

Mit gutem Essen und netten Gästen

Dann folgte eine Ofenkartoffel – sonst eigentlich nicht mein Fall. Diese aber war nicht so monstergroß und mit Dill, Forellenkaviar und Kräuter-Schmand wunderbar veredelt. Der Zweimännerwein, etwas gesetzter, passte glänzend zu diesem rustikalen Gang mit feiner Note. Dann gab’s einen Kalbsrücken – super zart – im Kohlblatt rosa gegart mit Sellerie-Stampf und Schmorkloßsauce mit einem trockenen Silvaner. Wenn nicht noch ein cremiger Mohn-Streuselkuchen im Napf gebacken auf dem Programm gestanden hätte. Von der Hauptspeise hätte man sich gern einen Nachschlag geholt. Das Winzerdinner im Terra war wieder einmal ein genussvoller Abend, bei dem man am Ende sogar mit seinen Tischnachbarn gut ins Gespräch kam. Unter Genussfreunden gibt es immer etwas zu bereden.

Wie geht’s weiter?

Das Format geht weiter – am 27. April mit Matthias Runkel vom Weingut Bischel in Rheinhessen oder am 4. Mai mit Markus Schneider vom gleichnamigen Weingut aus der Pfalz. Verheißungsvoll klingen beide Angebote, sodass man sich bei wenigstens einem dieser kulmarischen Ereignisse in Wolfsburg vielleicht wieder treffen kann – wenn es zeitlich passt. Und bis dahin hat ein junger Botenstoff von Stahl die eine oder andere Erinnerung an diesen wunderbaren Abend neu geweckt…




Ein Abstecher ins Sorrento

Ein Abstecher ins Ristorante Sorrento lohnt sich auf jeden Fall. Auf dem Bohlweg kann man ein Stück Süden in Braunschweig genießen.

Als Otto Julius Bierbaum sich mit dem Auto aufmachte, um über die Alpen in Richtung Süden zu fahren, da war das durchaus nicht gewöhnlich. Als der Mann mit diesem prächtigen und urwüchsig deutsch klingenden Namen in das deutsche Sehnsuchtsland fuhr, fing man gerade erst an, den Pferdewagen durch das Automobil zu ersetzen. Benzin gab es damals nur in Apotheken. Und wenn ein knatterndes und dampfendes Gefährt durch Städte oder Dörfer kam, dann war das Gesprächsstoff für einige Tage. Seine »empfindsame Reise« führte den Schriftsteller 1902 von Berlin nach Sorrent. »Das ist ein Ort, alles Hässliche zu vergessen, alle Sehnsucht zu verlernen, ganz der der Gnade des Augenblicks zu leben, aus tiefstem Herzen einer Schönheit froh… Hier ist der Glanz und die Klarheit, hier ist die ganze ruhige Fülle des Südens. Nur sehen sollte man hier und sollte nicht die köstlichen Gesichte stören mit Gedanken. Einfach in der Sonne liegen und das Glück genießen, – nur dies ziemt sich hier, und alles andre ist Sünde wider die Götter dieses paradiesischen Winkels, wo der große Plan noch lebt.«, schwärmt der Schriftsteller.

Seit 40 Jahren im Familienbesitz

Dort, wo man nur genießen sollte und nicht grübeln. Das sind die Orte, wo wir wieder richtig Mensch werden können. Sorrent liegt weit weg und ist für den einen weniger für den anderen noch weniger erreichbar. Am wenigstens im Alltag. Wie wunderbar also, wenn dass Sorrento in der Nähe liegt. In Braunschweig, dort wo das Leben dieser schönen Stadt pulsiert, im ersten Stock eines jener Häuser auf der gegenüber liegenden Seite des neu erbauten Schlosses, die nach dem Krieg im Kontrast zu der Vorkriegsschönheit der Löwenstadt funktional und wenig ästethisch gebaut wurden, liegt das Restaurant, das sogar eine Raucherlounge hat. Das Sorrento ist seit 40 Jahren in Familienbesitz und Brigitta Jünke-Bremer, vom Weinhaus Bremer, hatte mir schon seit geraumer Zeit geraten, dort einmal die italienische Küche zu genießen. Wenn sich einer mit kulinarischen Gaumenfreuden Italiens auskennt, dann sie. Also haben wir das Experiment gewagt.

Der Praxistest

Ich habe zwei Brüder, also konnten wir an diesem Abend drei Gerichte probieren. Und natürlich einen guten Wein – in diesem Fall einen frischen Barbera. Das Ambiente des Sorrento ist gepflegt und gemütlich, mit einer Spur Eleganz. Ein Ort zum Wohlfühlen. Es fühlt sich so an wie ein italienisches Restaurant. An diesem Abend gab es nur männliche Bedienungen. Dunkle Hose, weißes Hemd. Woran es auch immer liegen mag, aber in Italien habe ich höchst selten weibliche Servicekräfte am Tisch gesehen. Das ist nicht besser oder schlechter, aber schien uns allen charakteristisch. Nach dem obligatorischen Wartebrot, das allein schon Grund für ein italienisches Essen ist, und einer Vorspeise, probierten wir ganz unterschiedliche Gerichte – allesamt Klassiker: Lachs, Saltimbocca und schließlich Leber mit gedünsteten Zwiebeln und Rosmarinkartoffeln. Alle Gerichte gab es mit knackigen, perfekt zubereiteten Böhnchen. Zum Dessert (leider ohne Dessertwein) eine perfekte Pannacotta. Alles war lecker und rund abgeschmeckt. Gute Zutaten, feine Saucen und damit ein erstklassiges Italiener-Esserlebnis. Hier lohnt sich wieder ein Abstecher hin, wenn des Tages Unrast das Gemüt bedrückt – so hätte es wohl der empfindsame »Automobiler« Bierbaum gesagt. Nachdem der erste Besuch ein Erfolg war, kann man sich getrost das nächste Mal auf eine Empfehlung des Hauses verlassen. Ich werde also bald wieder ins Sorrento fahren – und vielleicht auch mal nach Sorrent selbst.




Wolfenbüttler Tortenkultur eröffnet

Im Herzen der Lessingstadt hat jetzt die Tortenkultur der Konditorei Mücke ihr Café unter den Krambuden 13 fertig renoviert und lädt zum süßen Genuss ein.

Daniel (links) und Jens Mücke und in der Mitte Jennifer Tasch.

Wahrscheinlich hat er das nie gemacht. Der Herzog nicht und genauso wenig seine Entourage. Aber ein netter Gedanke ist es: Die Höflinge und der Besuch des kleinen Potentaten könnten sich an einem schönen Märztag zu einem Spaziergang aufgemacht haben. Über den Schlossplatz, dorthin, wo die stolzen Bürger der Stadt Waren feilbieten. Unter den Krambuden. Schwatzend und lachend wären Sie in eines der Eckhäuser geschlendert, die schmalen Treppen hinauf, in ein kleines Kaffeehaus. Verwinkelt und etwas schief. Die Tapete mit höfischer Ornamentik, an den Wänden Bilder aus der Stadt. Kleine Möbel. Ein bisschen Biedermeier. Urgemütlich. Nicht so, wie die Kaffeehäuser der großen Städte. Kleiner. Jedoch mit Schick. Und mit deren Spezialitäten – Linzer Torte, Sacher oder kleine Törtchen und dazu erlesene Kaffeespezialitäten – kann man auch in dieser kleinen Residenz locker mithalten. Leider war der Hof schon ins benachbarte Braunschweig verlegt, bevor die Zeit der Kaffeehauskultur in Mode kam. Aber das schöne Schloss haben die Wolfenbüttler behalten. Und mit ihm den Glanz vergangener Tage.

Den Glanz der Geschichte bewahrt

Im neuen Projekt von Daniel und Jens Mücke ist ein bisschen von diesem Glanz bewahrt und ins 21. Jahrhundert übertragen worden. Wolfenbüttel hat Geschichte. Und es hat Zukunft. Dank des Engagements von Menschen wie dieses Brüderpaar, das lachend und feixend – so wie man sich das unter Brüdern vorstellt – im ersten Stock der Krambuden 13 sitzen und von ihren Plänen berichten. Die Mückes haben in Salzgitter Lebenstedt eine Bäckerei und Konditorei. Und Daniel pflegt das Handwerk dieser beiden Disziplinen nun in der fünften Generation. In der vierten ist der Vater noch aktiv und nun erweitern die Brüder die Aktivitäten des traditionsreichen Betriebes auf die Lessingstadt. Daniel ist Bäcker- und Konditormeister. Und was der Bruder macht, frage ich. »Was braucht man noch in so einem Geschäft?«, fragt er mit einem Augenwinkern zurück, um gleich darauf die Antwort zu geben: »Jemanden, der das das Geld zusammenhält«. Jens ist Betriebswirtschaftler. Und zusammen mit Jennifer Tasch, die ebenfalls mit am Tisch sitzt, ist die Tortenkultur seit Juni in Wolfenbüttel am Start. Und so richtig jetzt seit März dieses Jahres.

Tortenkultur: Der Name ist Programm

»Wir haben erst langsam gestartet und das Objekt renoviert«, erklärt Jens Mücke. Für die Inneneinrichtung ist Jennifer Tasch verantwortlich. »Wir wollten die Geschichte der Stadt aufgreifen und in diesen schönen Räumen spiegeln«, erklärt sie das Konzept. Und das ist gelungen. Man sitzt stilvoll in den beiden Räumen, die erlesen eingerichtet sind und viel Behaglichkeit ausstrahlen. Eine Konditorei in Wolfenbüttel, dem einstigen Standort der Konditorenfachschule, das ist nicht nur für die Lessingstädter wichtig, sondern ebenso für die Touristen in der Stadt. Deshalb, so betont Jens Mücke, habe man von Anfang an auch intensiv mit der Stadt kooperiert. Der Name »Tortenkultur« soll Programm sein. »Wir wollen Rezepte aufgreifen, die sonst nicht mehr so geläufig sind«, verspricht der Konditormeister Daniel Mücke. Die Massen für die Spezialitäten würden von Hand aufgeschlagen und kämen aus dem eigenen Hause, erklärt er. Dabei achtet man im Hause Mücke auf regionale Produkte und gute Qualität.

Der Faktencheck

Konditor und Bäcker, das seien zwei ganz unterschiedliche und gleichermaßen reizvolle Disziplinen, meint er. »Der Bäcker hat einen Teig und kann daraus unzählige Dinge kreieren. Der Konditor braucht hundert Sachen für eine Spezialität«, lacht er. Beides habe seinen Reiz. »Tortenkultur. Dieser Begriff soll sich entwickeln. Wir sind mit dem Stadtarchiv in Kontakt und suchen nach alten Hineisen, was früher in Wolfenbüttel so geläufig war. Das wollen wir aufgreifen. Da gilt es dann, alte Rezepte wieder neu zum Leben zu erwecken«, freut er sich. Zum Abschied stehen wir unten im Verkaufsraum. Die Torten lachen mich allesamt an. Nicht minder die Trüffelkreationen. Daniel Mücke macht noch ein Überlebenspaket fertig, das ich zuhause genießen darf. Linzer Torte, ein Törtchen mit weißer Schokolade, eins mit einer Schoko-Mousse und ein klassisches Himbeertörtchen. Alles gelungen und lecker. Nicht zur schwer, nicht zu süß. Das nächste Mal, wenn ich in der Stadt bin, werde ich das in der Atmosphäre dieses kleinen, aber feinen Cafés genießen. Nicht als Höfling des Herzogs, sondern als Wolfenbüttler, der die Stadt und seine Kultur liebt. Auch die Tortenkultur.




Beim Anders ist der Hamburger anders

Beim Anders im Magniviertel habe ich jetzt einen Hamburger probiert, der dem Namen des Hauses gerecht wird.

Manchmal ist es doch gut, wenn man mit Gewohnheiten bricht. Beim Essen sowieso. Natürlich, das Lieblingsgericht ist ok. Zuhause und im Restaurant. Es ist immer gut, seine Traditionen beim Essen zu haben. Wenn es danach gegangen wäre, hätte ich beim Anders mit meinem Freund Paul wieder das Holzfällersteak nehmen müssen. Bewehrt und gut. Eigentlich wollten wir erst gar nicht in die Karte gucken. Aber wir wagten den Blick, und diesmal waren wir beide vom Hamburger »Anders« angefixt. Wirklich anders? Das musste getestet werden. Nach dem ersten Bier wurde er dann serviert und sah tatsächlich nicht üblich aus. Schon der Teller ist ein optisches Highlight. Alles hübsch arrangiert und nicht lieblos auf dem Teller vergessen. Auch bei einem Hamburger erfreut das. Jedenfalls wenn man ihn im Restaurant serviert bekommt.

Eine gute Komposition

In der Reihenfolge. Ich esse immer zuerst den Salat. Krautsalat ist nicht gleich Krautsalat. Er kann wahlweise zu sauer, zu süß, zu knackig, zu labbrig sein. Dieser hier ist die ideale Mitte der kuliarischen Pendelschäge: Mürbe im Biss, nicht zu weich, eine angenehme Säure und vor allem saftig. Der Hamburger ist tatsächlich anders. Auf einen größeren Kohlehydratanteil wurde mit einer kleinen Scheibe Toast verzichtet. Das bildet die Mitte einer Komposition aus einem Black-Angus Hacksteak mit hausgemachter Barbecue-Sauce, kross gebratenen Speck, Zwiebeln, Käse und einem saftigen Steak. Die Barbecue-Sauce war, für meinen Geschmack gerade richtig: leicht rauchig aber immer noch fruchtig mit einer angenehmen Süße. Auch wenn es auf den ersten Blick knapp aussieht. Mit dem Teller wird man gut satt. Und glücklich sowieso.