Bier ist trotz geringer Pestizid-Belastung nicht gesundheitsgefährdend!

Posted on Feb 26 2016 - 2:17pm by Andreas Molau

Bier ist nicht gesundheitsgefährdend: Das ist die Quintessenz einer aktuellen Medienkampagne, die zu transportieren versucht, dass Bier krebserregend sein könnte.

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Bei Medikamentenwerbung kennt man den Zusatz »Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker«. Manchmal wünscht man sich das auch für Presse oder Politik. Worte, Behauptungen sind schnell in der Welt. Und besonders dann, wenn sie Angst machen, können sie eine gefährliche Eigendynamik entwickeln. Das ist aktuell so in der Flüchtlingskrise, bei der Panik ein schlechter Berater ist. Und das ist so, wenn es um das Thema Essen und Gesundheit geht. Es ist noch gar nicht lange her, da warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor dem Verzehr von rotem Fleisch. Dies sei krebserregend. Nun ist das Bier dran. »Die Welt« titelte jetzt mit dem Antexter »Krebsgefahr?«: »Deutsche Biere sind mit Pestizid Glyphosat belastet«. Wieder ist es die WHO, die bereits beim Thema rotes Fleisch zurückrudern musste, die erklärte, das Totalherbizit sei erbgutschädigend und »wahrscheinlich krebserregend«. Ein Münchner Institut nun fand den Stoff in 14 der meist getrunkenen Biere Deutschlands. Die Einschätzung sei zwar umstritten, wird im Beitrag der Welt eingeräumt, aber eine schnelle Schlagzeile ist es trotzdem wert. Schließlich muss die für den Verkauf möglichst knackig sein. Mit Angst lässt sich eben auch immer ein Geschäft machen.

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Die Fakten

Denn die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) etwa liest sich nicht ganz so spektakulär. Das sieht nämlich keine Gefahr für Verbraucher. Da Glyphosat ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel ist, muss es zunächst wenig verwundern, dass in landwirtschaftlichen Produkten Rückstände davon zu finden sind. Allerdings seien selbst die höchsten Werte von rund 30 Mikrogramm pro Liter so niedrig, dass die rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen mehr als 1.000fach niedriger liegen würde als die derzeit als unbedenklich geltende Aufnahmemenge, so das BfR. Sprich: Damit es gesundheitsschädlich wird, müsste man an einem Tag rund 1.000 Liter Bier trinken. Diesen Wert dürfte wohl selbst der tapferste Bierkonsument nicht schaffen. Nicht mal, wenn die Eintracht aufsteigen würde. Auf diese Fakten verwies auch Wolters-Geschäftsführer Peter Lehna nach einer Anfrage von Kulinarisch38. Das Braunschweiger Bier war zwar nicht auf der Liste der »belasteten Biere« zu finden, dennoch zeigte sich Lehna über die Berichterstattung verärgert.

 

Was sagt Wolters?

Peter Lehna, einer der Geschäftsführer vom Hofbräuhaus Wolters. Bild: Hofbrauhaus Wolters

Peter Lehna, einer der Geschäftsführer vom Hofbräuhaus Wolters.
Bild: Hofbrauhaus Wolters

Glyphosat, so Lehna, käme mit allen landwirtschaftlichen Pflanzenprodukten in Berührung, und deshalb sei es nicht erstaunlich, dass das Münchner Institut, das den Stein ins Rollen gebracht hatte, den Stoff auch im Bier gefunden habe. Außerdem wies Lehna auf einen anderen Zusammenhang hin: »Es ist sicher nicht schön, dass unsere Lebensmittel unter Verwendung von Herbiziden, Pestiziden und anderen Chemikalien produziert werden. Ohne diese Hilfsmittel allerdings wäre die Menschheit schon lange nicht mehr zu ernähren.« Tatsächlich wird der Einsatz solcher Mittel in der konventionellen Landwirtschaft seit Jahren drastisch reduziert. Alle Rohstoffe, so versichert Lehna abschließend, die bei Wolters verarbeitet werden, würden über den »Deutschen Brauerbund« auf ihre Unbedenklichkeit hin untersucht. Wenn überhaupt hätten »Die Welt« und andere Medien also titeln müssen »Produkte aus landwirtschaftlich erzeugten Pflanzen sind belastet«. Oder »Bier ist trotz geringer Pestizid-Belastung nicht gesundheitsgefährdend«. Es ist schade, dass über solche Aktionen Menschen verunsichert werden. Eine Diskussion über die größt mögliche Vermeidung von Pestiziden oder Herbiziden ist sicher sinnvoll. Panikmache nicht.

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