Brauakademie: Es gibt wieder Bier aus Clausthal-Zellerfeld

21. Januar 2015 von

Eine zünftige Wanderung im Oberharz kann jetzt durch eine neue Harzer Bierspezialität belohnt werden: das Münzbräu der Brauakademie Zellerfeld.

Richard Schulze im Sudhaus der Brauakademie Zellerfeld.

Richard Schulze im Sudhaus der Brauakademie Zellerfeld.

Der Weg führt geradewegs in die Erinnerung. Die Brauakademie Zellerfeld ist das Ziel. Über Schladen, Vienenburg, Oker. Ich nehme die Strecke, die ich früher gefahren bin, als ich meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr absolvierte. Als die Umgehungsstraße noch in der Planung war. Im letzten Abschnitt geht es den gewundenen Weg nach Clausthal-Zellerfeld hinauf. Damals tackerte der Käfermotor hier hoch. In der lang gezogenen Kurve an der Okertalsperre musste man im Winter höllisch aufpassen. Mit zu wenig Schwung blieben die Autos hängen. Clausthal-Zellerfeld, das ist nicht nur aus sentimentalen Gründen ein besonderer Ort. Ein bisschen liegt dieses kleine Hochplateau in freilich bescheidener Höhe wie eine Insel da. Das Städtchen mit manchem architektonischen Kleinod – wie die Zellerfelder Kirche. Das Umland mit den unzähligen Teichen, in denen man sich im Sommer so herrlich erfrischen kann.

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Gruß vom Brocken

Oben angekommen belohnt die Sonne den bequemen Aufstieg mit dem Auto. Der Brocken grüßt freundlich mit seinem geheimnisvollen Schneegesicht. Ein paar Hundert Meter darunter ist kein Winter mehr. Die Brauakademie ist in dem weitläufigen Kunsthandwerkerhof »Zellerfelder Münze« beinahe versteckt. Hier wurden in alten Zeiten aus dem Harz-Silber Münzen geprägt. Da ist heute eine Glashütte, eine Holz- und Glasspielerei. Die »Biermünze« zur Linken lädt zum Umtrunk ein. In dem Gebäude rechts davon öffne ich vorsichtig die Tür. Brauakademie steht da auf einem Schild. Das sieht auf den ersten Blick nach Produktion aus. Es steht zwar nicht da, dass der Zutritt für Unbefugte verboten sei. Aber hineingehen möchte man doch nicht unaufgefordert.

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Hier wird abgefüllt.

 

Ein Brauer, wie man ihn sich vorstellt

»Kein Problem, hier sind Sie richtig«. Von der Brauereikneipe kommt die Stimme. Die Stimme stellt sich vor. Schulze. Ach ja, das muss Richard Schulze sein, der mir in der E-Mail angekündigt wurde. Er ist Braumeister. So wie man ihn sich vorstellt. Handfest, freundlich, zupackend und trotzdem Gemütlichkeit ausstrahlend. Schulze führt mich in das kleine Sudhaus. Das Ganze ist überschaubar. Der pensionierte Sportverwaltungsmann hängt sich eine passende Lederschürze um und fängt gleich an, über das Projekt zu erzählen. Ein Sud, das seien in diesem Fall 300 Liter. Im letzten Jahr hätten er und sein Kollege 40 davon hergestellt. Das ist für eine »normale« Brauerei natürlich nichts. Für den gewöhnlichen Biertrinker schon. Wir setzen uns in die erste Etage und Schulze bringt zur Begrüßung eine beeindruckend große und schöne braune Bügelflasche mit. Während das kühle Pils sich langsam im Glas wohlfühlt und eine wunderbare Schaumkrone aufbaut, erzählt der Brauer von der großen Biertradition der Bergstadt, von der in den letzten Jahren nur noch die gleichnamige alkoholfreie Variante übrig geblieben war. Die freilich hat mit Clausthal außer dem Namen wenig zu tun.

Gute Rohstoffe sind wichtig für den Geschmack.

Gute Rohstoffe sind wichtig für den Geschmack.

500 Jahre Brautradition

Die beiden Städte Clausthal und Zellerfeld hätten eine über 500-jährige Biertradition vorzuweisen, berichtet Schulze. Während in der einen Hälfte das Claus-Bräu hergestellt worden sei, habe das Zellerfelder Pendant Berg Brauerei geheißen. Erst wurden vor knapp hundert Jahren die Städte zusammengelegt. Dann die Braustätten und schließlich, im Zuge der großen Marktkonzentration auf dem Biermarkt, hätte es gar kein heimisches Bier mehr gegeben. Strukturwandel nennt man das nüchtern. Und Richard Schulze hat am eigenen Leib erlebt, was das wirklich heißt. Er erzählt lächelnd von seinem Werdegang, und da hört sich das alles ganz einfach an. Es ist immer wohltuend, solche Lebensgeschichten zu hören. Wenn man selbst glaubt, es gibt keine Möglichkeit, sieht man: Es geht weiter. Schulze war zunächst, was liegt im Oberharz näher, Bergmann. Die Kohlenkrise kam, die Bergleute mussten gehen und noch einmal von vorn anfangen. Der junge Mann orientierte sich um und wurde Brauer und Mälzer. In Zellerfeld. Nach dem Ende der lokalen Brauereien, hatte er sich wieder neu zu erfinden und ging in die Verwaltung. Schulze beschäftigte sich jetzt mit dem Thema Sport und das heißt in Clausthal-Zellerfeld etwas. Von hier kommen seit Jahrzehnten erfolgreiche Biathleten und Langläufer. Mit denen kam er rum – ob in Europa oder Kanada. Eine schöne Zeit war das, erzählt er.

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Die Leidenschaft fürs Brauen

Die Leidenschaft fürs Brauen verließ Richard Schulze aber nie. Und so war er gleich dabei, als die Kurbetriebsgesellschaft vor einigen Jahren auf ihn zukam, ob er denn eine kleine Brauerei wieder in der Stadt mit aufbauen helfe. Ihm selbst war das stets ein Anliegen gewesen. »In den letzten Jahrzehnten hat sich eine Vereinheitlichung des Biermarktes eingestellt und damit auch ein Einheitsgeschmack«, erzählt er. Und zwar nicht in der beliebten Diktion »Früher war alles besser«. Es sei ja klar, dass Großkonzerne, um am Markt bestehen zu können, Produktionsvorgänge immer weiter optimierten und geschmackliche Eigenheiten ausglichen, räumt er ein. Sonst könne man sich eben nicht am hart umkämpften Markt halten. »Stammwürze und Alkoholgehalt wurden heruntergefahren. Schon allein wegen der Biersteuer, also aus Kostengründen«, erklärt er. Die Sehnsucht nach charaktervollen Gerstensäften sei aber trotzdem ungebrochen. Ein Bedürfnis, das schließlich zur Gründung der Brauakademie geführt habe. »Es sollte eine kleine Brauerei sein, ohne großen Verlag, die nur für den regionalen Bedarf produziert«, erzählt er. Und so ist man seit gut einem Jahr am Start, bewirtet Gäste in der anliegenden Münze, versorgt die Menschen vor Ort und braut auf Extrawunsch besondere Chargen.

Das Glas ist noch in Kulinarisch38-Redaktionsbenutzung und stieß nach Jahrzehnten  wieder auf original Zellerfeld Bier.

Das Glas ist noch in Kulinarisch38-Redaktionsbenutzung und stieß nach Jahrzehnten wieder auf original Zellerfeld Bier.

Individuelle Biere

Ob für den Sportverein oder das private Fest. Kunden können sich zur Bierakademie anmelden und »ihr Bier« aufsetzen. Ob nun ein Dunkel, Bock, Pils oder Weizen. Fast alles ist möglich. Auch die Stammwürze oder den Alkoholgehalt könne man bestimmen. Fest im Programm ist das Münzbräu in Pilsener Qualität und als Dunkel. In unserem Glas leuchtet das helle Blonde. Es ist ungefiltert und hat einen vollmundigen Geschmack. Sehr süffig und lecker. Mit dem naturtrüben Gerstensaft sei es wie bei der Milch, so Schulze. Man könne H-Milch trinken oder frische Kuhmilch, in der noch alle guten Inhaltstoffe enthalten seien. Dieses Bier sei so lebendig wie der Produktionsprozess. »Natürlich gibt es Schwankungen, selbst wenn man immer die gleichen Produkte nimmt. Der Grundgeschmack bleibt«, so der Braumeister. Aber dafür habe man handwerkliche Gestaltungsmöglichkeiten auf die Produktion. Und diese Gestaltungsmöglichkeiten machten ganz einfach Spaß. So versetzte man zum Beispiel in Zellerfeld den Sud mit dem herbsten Hopfen erst zum Schluss, verrät Schulze. Dadurch werde ein besonders vollmundiger Geschmack erzielt. Was hier vom Hahn oder von der Flasche kommt, ist ein Stück Harz. Die Freude, die Richard Schulze beim Brauen hat, macht sich im Ergebnis bemerkbar. Der nächste Harzausflug geht nach Clausthal-Zellereld. Auf den Spuren der Rekrutenausbildung, der unvergleichlichen Seenlandschaft des Oberharzes und wird bestimmt mit einem Besuch in Biermünze verknüpft.

Brauakademie im Kunsthandwerkerhof
Bornhardstraße 11
38678 Clausthal-Zellerfeld

Buchungen über:
Telefon:05323 81024

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