Chia-Samen werden ihren Platz in der Küche erobern

Posted on Aug 11 2015 - 4:47am by Andreas Molau

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung rät den Verbrauchern, statt auf Chia-Samen auf heimische Produkte zurückzugreifen. Kulinarisch38 findet: Wir haben andere Sorgen.

Chia-Samen erinnern im Joghurt ein bisschen an Mohn, knuspern so und sind so »schlünzig« wie Sago.

Chia-Samen erinnern im Joghurt ein bisschen an Mohn, knuspern so und sind so »schlünzig« wie Sago.

Superfood, das ist schon fast ein Modewort. Es gibt immer wieder eine Pflanze, eine Frucht, ein Korn, dem werden besondere Heilkräfte zugesprochen. Vor Jahren war das Aloe vera. Vor Kurzem begeisterte Granatapfel ernährungsbewusste Menschen und fand wenig später Einzug in die Kosmetik. Und jetzt boomt Chia. Die Heilsamen der Maya. Die Politik möchte die Freude über das gesunde Wundermittel etwas dämpfen und verweist aktuell auf dem Portal von Ökolandbau.de darauf, dass es ebenso heimische Produkte geben würde, die man nutzen könnte. Also, statt Chia-Samen einzuweichen und ins Müsli zu tun, täten es genauso Leinsamen. Heidelbeeren oder Johannisbeeren eigneten sich demnach als Alternativen zur Goji-Beere. Natürlich sollte man die Öko-Bilanz im Auge behalten. Da muss man aber nicht bei Chia-Samen anfangen. Der Honig aus Südamerika »müsste auch nicht sein«.

Da gibt‘s ganz andere Sachen

Und da gibt es erst recht andere Dinge. Wie ist es mit dem täglichen Billig-T-Shirt vom Discounter? Da werden Stoffteile um die halbe Welt geschifft, die unter berstigsten Bedingungen produziert worden sind. Pestizidverseuchte Baumwolle, ausgebeutete Arbeiter, die ihre Gesundheit ruinieren. Und dann geht das sieben Euro Teil aufs Schiff und wird in die europäischen Metropolen transportiert. Oder wer würde glauben, dass die EU Schlachtabfälle nach Afrika exportiert und damit nicht nur die Öko-Bilanz versaut (was machen solche Dinge auf einem teuren Transport?), sondern zudem die heimischen Märkte dort kaputtmacht und den Menschen die Lebensgrundlage entzieht. Am Ende wundert man sich über Flüchtlinge in Europa.  Schaut man sich diese Beispiele an, so verwundert der Feldzug gegen die Chia-Samen doch etwas. Sicher, das ist ein Luxusprodukt. Aber immer noch besser als die globalen Fertiggüter und auch besser als Medikamente.

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Chia-Samen sind vernünftige Ergänzung

Denn: Wer sich gut ernährt, hält sich gesund. Und Gesunderhaltung ist besser als Krankheitsbekämpfung. Das heißt natürlich nicht, dass man Leinsamen nicht essen sollte. Aber gerade Chia-Samen haben derartig interessante gesundheitliche Effekte, dass der Genuss nicht zur Disposition stehen sollte. Sie enthalten doppelt so viel Eiweiß wie andere Samen oder Getreidesorten, liefern ein gutes Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6 Fettsäuren, haben einen super Calcium-Gehalt und weisen zudem das Spurenelement Bor auf, das die Calcium-Aufnahme begünstigt. Der Kalium-Anteil ist ebenso größer als bei vergleichbaren Gemüsesorten. Was die Antioxidantien angeht, wo die Heidelbeeren ebenfalls gut liegen, hat Chia auch bessere Werte. Gerade an dem Beispiel sieht man: Jetzt, in der Heidelbeerzeit, sollte man frische Früchte zu sich nehmen.

In der Region zu haben

Da Chia-Samen bis zu fünf Jahre haltbar und extrem gesund sind, werden sie jedoch ihren Platz in der Küche bei ernährungsbewussten Menschen erobern. Superfood mag übertrieben klingen. Aber was gut ist, sollte man gut nennen. In der Region bieten etwa die Reformhäuser Bacher die Samen an. Kulinarisch38 fragte nach, was man dort von Chia-Samen hält und wie es mit den Anbaubedingungen aussieht. Bacher, die in PLZ-38-Bereich in Salzgitter, Braunschweig, Goslar und Wolfsburg vertreten sind, beziehen die Samen aus Mexiko von speziell ausgebildeten Farmern, die ohne die Verwendung von Spritzmitteln auskommen. Es handelt sich also um Bio-Qualität. Die Reformhäusler machen darauf aufmerksam, dass das Produkt besonders sparsam zu verwenden sei. So enthielten 100 g Shia-Samen so viel Omega-3-Fettsäuren wie 1 kg Lachs. Die gleiche Menge konkurriert demnach, was Antioxidantien anlangt, mit immerhin 900 g Orangen.

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