CRABBS – Craft Bier für Braunschweig

29. Oktober 2016 von

Auch Braunschweig hat sein Craft Bier: CRABBS. Noch wird es in der Nähe von Hildesheim gebraut. Nächstes Jahr kommt das leckere Bier »nach Hause«.

Paul Briesemeister

Paul Briesemeister

Manchmal geht es einem so. Man beschäftigt sich mit einer Sache. Und schon drängt sich der Eindruck auf, dass sie eine besondere Bedeutung hat. Als ich mir meinen ersten Roller, eine Piaggio, gegönnt hatte – ein alter Jugendtraum – sah es plötzlich so aus, als führen die Dinger in Massen herum. Nach dem ersten Hut entstand der Eindruck: Mensch, es gibt ja richtig viele Hutträger. So ähnlich war das jetzt mit dem Thema Bier. Ich bin eigentlich der typische Ein-Biersorten-Trinker. Im Studium hatte ich mir bereits meine Kiste Wolters mit nach Göttingen genommen, damit ich auf mein Bier nicht verzichten muss. Vor ein paar Jahren dann probierte ich bei Odin Paul im Goslarer Brauhaus das erste Mal ein »gestopftes Bier« mit Aromahopfen. Und in der letzten Zeit scheint es, als würden überall neue Brauereien aus dem Boden schießen mit allerlei Spezialitäten. Ob in Wöltingerode mit den neuen Craft-Bieren in Wolfenbüttel mit Stebis Brauerei oder jetzt auch in Braunschweig. Schadts gibt es ja schon lange. Aber kürzlich sprach mich, ausgerechnet beim Weinhaus Bremer in Braunschweig jemand an, warum ich noch nichts über CRABBS geschrieben hätte.

Das Crab # 1Pale Ale

Dabei ist ausgerechnet gar nicht so recht passend. Denn diese »gehopften Biere«, bei denen Aromahopfen kalt zugesetzt werden, damit die ätherischen Öle nicht verfliegen, sind ja fast so ein bisschen wie Wein. Crab – Krabbe – das konnte ich mir merken. Und über Facebook ist ein Kontakt schnell hergestellt. Wenn ich aufmerksam gewesen wäre, hätte ich natürlich längst von dem Projekt wissen müssen. Die Kaviarkanone hatte schon berichtet. Aber das war mir durchgerutscht. Umso größer war die Neugier, was mich erwartet. Wir verabreden uns in der Zea-Bar – die kannte ich auch nicht, in der Nähe von der »Alten Waage« in Braunschweig. Ebenfalls eine Entdeckung für mich. Wie das Crab # 1Pale Ale, das es dort gibt. Während ich es mir gemütlich mache, kommt Paul Briesemeister mit dem Fahrrad angeradelt. Er genehmigt sich mit mir ein Gläschen von »seinem« Bier. Denn nach seinem Rezept ist es gebraut. Das Glas öffnet sich nach oben. Ganz so, als würde ich einen guten Whisky trinken. Er nimmt einen kräftigen Schluck. Wiegt das Glas hin und her und nickt zustimmend: »Sehr gut!«

Krabbe und Bier

Diesem Urteil kann ich mich anschließen. Wie gesagt: Obwohl ich nicht gerade experimentierfreudig in Sachen Gerstensaft bin. Das Bouquet ist leicht fruchtig. Mich erinnert es an Himbeere. Diese leichte Fruchtigkeit begleitet auch den ersten Geschmackseindruck, bevor die biertypische Herbe dominiert. Nicht zu stark, sodass der Kontrast nicht zu deutlich wirkt. Warum ein Braunschweiger Bier ausgerechnet eine Krabbe als Erkennungszeichen hat, möchte ich gleich wissen. Briesemeister schmunzelt: »Das ergab sich einfach aus dem Namen. Craft Bier Braunschweig.« Craft Bier – CRAB. Klar, und Braunschweig: BS. Die Idee entstand – damit wäre dann jedes Klischee im positiven Sinne erfüllt – am Biertisch. Paul Briesemeister war mit Freunden beim Craft-Bier-Stammtisch in Braunschweig. Und da er selbst Brauer ist, lag die Idee nahe, es doch einmal selbst zu versuchen.

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Ein gutes Team

Briesemeister war gleich in der Schule zu dem schönen Beruf gekommen. Das Schulpraktikum fand bei der Feldschlößchen-Brauerei statt. Und aus der kurzen Begegnung wurde Berufung. Lehre. Braumeister. Und dann die weitere Arbeit in der vor einigen Jahren verkauften einstigen Braunschweiger Traditionsbrauerei. »Von Anfang an habe ich auch für mich experimentiert«, berichtet er. Und jetzt sah er es als Herausforderung an, dieses Experiment zu starten: »Damit bin ich mit allen Brauvorgängen befasst. Viel enger, als das in dem großen Maßstab möglich ist.« Rezeptur und Produktionsentwicklung liegen in seiner Hand. Gebraut wird derzeit noch in Lohnabfüllung in einer Brauerei bei Hildesheim. Etikettiert wird schließlich von Hand in der Löwenstadt. Bis zum nächsten Jahr soll sich aber ändern. Ein Objekt ist schon gefunden. Und mit seinen Partnern Max Juraschek, der sich um die Technik kümmert und Stefan Speit, der den Einkauf organisiert, wird ab 2017 CRABBS ganz und gar »Made in Braunschweig« sein.

Neue Ideen für neues Bier

Schon jetzt ist das Craft Bier in einigen Gaststätten und Bars sowie in Getränkemärkten und Supermärkten zu haben. Um den Vertrieb kümmern sich alle drei – neben ihrem Brotjob. Hier konnte Paul Briesemeister ebenfalls ganz neue Erfahrungen machen. Meist gute, berichtet er. Aber manchmal sei es gar nicht so leicht. Gern hätte er zum Beispiel mit Weinhäusern kooperiert. Hier sind die Vorurteile jedoch offenbar noch zu groß, was man von einem Bier erwarten kann. Auch in seiner eigenen Zunft, berichtet er, müsse man dicke Bretter bohren. »Leider war in meiner Brauerausbildung keine Rede von Möglichkeiten der Kalthopfung«, wundert er sich. Gestandene Brauer würden diesen neuen Trend nicht wirklich ernst nehmen. »Natürlich weiß ich nicht, wie lange das hält. Aber im Moment sind diese besonderen Biere gefragt«, gibt er sich nachdenklich. Deshalb wird es im nächsten Jahr viele spannende, neue  Biere geben. Die Rezepturen seien längst fertig, und die Probe gelungen, findet er. Es wird also viel Neues in Sachen Bier aus der Region geben. Auch 2017.

Hier gibt’s CRABBS. 

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