Das Osterbrot beendet die Fastenzeit

Posted on Apr 3 2015 - 4:27am by Andreas Molau

Das Osterbrot hat in christlichen Ländern eine lange Tradition. Es erinnert uns immer wieder an den Ursprung der Dinge.

Das Osterbrot von der Altstadtbäckerei Richter.

Das Osterbrot von der Altstadtbäckerei Richter.

Brot ist mehr als ein Lebensmittel. Man könnte fast sagen, es gehört zu den Grundelementen des Lebens. Jesus brach beim letzten Abendmahl das Brot und sprach zu seinen Jüngern: »Nehmet, esset, das ist mein Leib.« In den alten Religionen der Antike war es in Ägypten und Griechenland eine Göttin, die den Menschen höchstpersönlich beibrachte, Getreide anzubauen und daraus Brot zu backen. Kein Wunder, dass das Brot zu allen wichtigen Ereignissen des Lebens eine überhöhte Bedeutung hatte. Und es stimmt nachdenklich, wie es heute behandelt wird. Sträflich oft, als Wegwerfprodukt, das man für ein paar Cent bekommt. Als Industrieware, ohne jede Sorgfalt und Ruhe hergestellt. Tief gekühlt gelagert und in Automaten aufgebacken. Dabei ist Korn der Urstoff zum Leben. Und Brot ist seine veredelte Form. Noch unsere Urgroßeltern kannten den Brauch, Brot im Frühjahr als symbolische Geste in die Flüsse zu werfen. In England bekamen Brautleute ein Stück davon in die Schuhe gelegt; das sollte für Fruchtbarkeit sorgen.

Viele Namen für das Osterbrot

Zu den großen Kirchenfesten, vor allem zu Ostern, sind seit Jahrhunderten besondere Brote gebacken worden. In allen christlichen Ländern. Ob in Griechenland oder Italien die »Coloma pasquale«, die Ostertaube oder das süße russische Kulitsch mit Zuckerglasur. Das jüdische Osterbrot ist eine flache ungesäuerte Mazze. Wie zu Weihnachten kam und kommt alles in das Osterbrot, was gut ist. In Russland Gewürze wie Kardamom oder Muskat – bei uns eher zu Weihnachten beliebt – in Mitteleuropa Rosinen, Vanille, viel gute Butter. Regional wird die Tradition des Osterbrotes bei uns auch von den handwerklich arbeitenden Bäckern gepflegt. Bei der Altstadtbäckerei Richter in Wolfenbüttel gibt es zum Beispiel schon seit einigen Tagen die Hefespezialiät.

Das Fastenbrechen oder einfach nur ein besonderer Augenblick

Eigentlich wäre der Genuss erst ab Ostern möglich. Denn 40 Tage, als Vorbereitung auf Ostern, wird im Christentum gefastet. Jesus Christus selbst verbrachte diese Zeit betend und fastend in der Wüste. In der Bergpredigt mahnt er zur Demut beim Fasten. Das sollte man nicht vor sich hertragen. Verzicht möge im Stillen erfolgen, so seine Mahnung. Prahlerei nach dem Motto »Seht her, wie asketisch ich lebe« ist unangebracht. Selbst wenn einem der religiöse Hintergrund nicht mehr viel bedeutet. Es sind solche besonderen Traditionen, die unser Leben vielfältig machen. Sie zeigen, dass nicht jeder Tag ist wie der andere. Und solange wie sie gepflegt werden, gibt es immer einen Anlass, sich einen Moment an den Ursprung der Dinge zu erinnern, an das, was uns ausmacht.

Letztes Jahr um diese Zeit haben wir die leckere ligurische Ostertorte vorgestellt.

Wer einmal die russische Variante vom Osterbrot, dem Kulitsch, ausprobieren möchte, der findet hier ein Rezept. Nicht ganz einfach in der Herstellung, aber lecker. Ansonsten kann man auch seinen Rosinenstuten mal frei Schnauze mit leckeren Zutaten anreichern.

 

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