Das Sizilianische Kultessen im Katané

25. Februar 2016 von

Was ist »Sizilianisches Kultessen«? Die nahe Kulinarisch38-Familie fand sich zu einem Feldversuch zusammen und wurde von Vittorio Ventura im Katané verwöhnt. 

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Um das ganz offen und ehrlich zu sagen. Ich kann Buffets nicht ausstehen. Natürlich findet man auch sicher hier oder da etwas Nettes. Aber insgesamt, kann ich mit dem kulinarischen Schlange stehen wenig anfangen. Das Buffet ist eröffnet und die Jagd um die vordersten Plätze beginnt. Wenn man Glück hat, steht jemand Angenehmes vor einem in der Schlange und man kann sich die Zeit vertreiben, bevor es ans Vorbeidefilieren vor Köstlichkeiten geht, die mehr oder weniger lange über einem Dampfbad warm gehalten werden. Wer vorn steht, weiß noch nicht, was hinten kommt. Und so geht es einem wie dem Gast in einer Kurzgeschichte Kishons, der beim Knabbern von Nüssen und Chips immer darüber sinniert, ob es danach noch »etwas Richtiges« gibt. Wenn man den Schweinebraten am Anfang auslässt, kommt später vielleicht nur ein langweiliges Kartoffelgratin. Also besser zugreifen? Aber zu spät, denn nicht nur das Leben ist im Fluss. Vor dem Buffet geht es einem genauso. Und so hat man am Ende allerlei Essensbestandteile auf dem Teller, die nicht unbedingt glücklich machen.

Sizilianer essen entweder oder sie reden

Als Vittorio Ventura mir bei einem Espresso das erste Mal von seinem »Sizilianischen Kultessen« berichtete, da musste ich erst an so etwas denken. Viele verschiedene Sachen, schwärmte er. Alles, was eine Küche so zu bieten hat, käme auf den Tisch. Ursprünglich sei es die Form des geselligen Beisammenseins gewesen, die er aus Sizilien, seiner Heimat, habe hier nach Braunschweig bringen wollen. Jeder bringe etwas mit und am Ende komme ein bunter Tisch zusammen. Weil man nur versteht, was man kennt, haben wir das Angebot »Sizilianisches Kultessen« im Katané für unsere nächste Familienfeier genutzt, um das einmal live und in Farbe zu erleben. »Sizilianer essen entweder oder sie reden«, hatte mir Vittorio Ventura beim Vorgespräch gesagt. Und das liegt, wie wir selbst feststellen konnten, offenbar auch am Essen. Man ist, was man isst. Und beim »Sizilianischen Kultessen« geht es bunt und turbulent zu.

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Menschen zusammen bringen

Wenn man Menschen zusammenbringen möchte, dann sollte man im Katané das Ereignis buchen, oder man sollte sich einfach zu buchen, wenn der Koch aus Leidenschaft es aufs Programm setzt. Statt allein am Tisch zu versauern oder sich am Tisch zu zweit anzuschweigen, kann man sich getrost auf das kulinarische Experiment einlassen. So wie wir als Familie. Am besten keine Vorgaben, denn Vittorio entfaltet eine Kreativität, die man beim Kultessen genießen sollte. Im Prinzip ist es so wie ein Mehrgängemenü, nur dass aus der Küche scheinbar immer neue Ideen auf den Tisch fliegen. In kleineren Portionen verteilt, kommt man beim Essen schnell ins Gespräch. »Kann ich von dieser bunten Paprika noch etwas haben?« »Nur wenn ich das leckere Vitello Tonnato haben kann!« Hier gibt es kein Anschweigen.

Ein Feuerwerk von Geschmackserlebnissen

Unser Kultessen war ein Feuerwerk von Geschmackserlebnissen. Da war zum Beispiel das beste Vitello Tonnato meines Lebens. Eine grandiose vegetarische Lasagne oder mit Gorgonzola gefüllte Champignons. Es ist ganz schwer, die besten Sachen zu nennen, weil alles sehr gut war. Und am besten eine Atmosphäre über gut fünf Stunden, die von einem »Aaah« und »Oooh« begleitet und einfach rund harmonisch war. Die gefüllten Crepes mit Hackfleisch etwa waren ein Genuss. Oder die Kalbsmedaillons, die mit frisch geriebener Zucchini gefüllt waren und mit Pecorino Käse und trockenen Tomaten zum Genuss wurden. War das Rotbarschfilet in Hummersauce mit Shrimps besser oder das Zanderfilet mit Fenchel und Zwiebeln? Jeder hatte seine Favoriten, alles war großartig zubereitet auf den Punkt gegart und fein abgeschmeckt. Das war bis zum Dessert so, wo die selbst gemachten Cannoli Siciliani mit Ricotta und hausgemachten Cremes ein unvergessliches Geschmackserlebnis waren. Natürlich gab es auch Tiramisu oder Panna Cotta sowie Blätterteiggebäck mit Patisseriecreme.

Buffets sind nicht meine Sache. Ein »Sizilianisches Kultessen« bei Vittorio Ventura ist dagegen ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Das ist Italien auf dem Teller. Grazie, Maestro!

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