Treccino: Der weite Weg von Wolfenbüttel nach San José

Posted on Feb 20 2016 - 4:36am by Andreas Molau

Monika und Andreas Steinig von der Wolfenbüttler Kaffeerösterei Treccino besuchten Costa Rica, um die Wurzeln des Kaffees in einem Ursprungsland zu entdecken.

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Von Wolfenbüttel nach San José. Ein weiter Weg, den die meisten von uns niemals überwinden werden. Dass es Monika und Andreas Steinig geschafft haben, das erfüllt die beiden Kaffeeliebhaber mit Freude. Sichtlich. Wir treffen uns im Treccino. Freitag Nachmittag. Es liegt schon etwas Wochenende in der Luft. Das ist der schönste Zeitpunkt dieser Insel. Die entspannte Zeit hat noch nicht angefangen. Aber die Arbeitswoche ist bereits vorbei. Nicht für die beiden. Das kleine, gemütliche Kaffee im Herzen der Lessingstadt ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Andreas Steinig schaut durch sein Reich. »Ich hätte nicht gedacht, dass wir gar keinen Platz finden würden«, räumt er ein. Aber der tut sich für ein Gespräch am Ende doch auf. Zwischen dem Tresen im Treccino und der wuchtigen roten Trommelröster stehen große Behälter mit Kaffeebohnen aufgestapelt. Wir holen uns zwei Barhocker und machen es uns bei einem Espresso häuslich. Andreas Steinig klappt seinen Laptop auf und wird später Bilder zeigen. Monika Steinig wuselt zwischendurch immer wieder zwischen Kaffeeautomat und Gästen und klinkt sich dann und wann ins Gespräch ein.

Bild: Treccino

Bild: Treccino

Vielfalt und Freundlichkeit

Ich will natürlich alles wissen über diese große Reise. Costa Rica, über das Land habe ich mich vorher informiert. Recht klein ist es, das mittelamerikanische Land. Eine stabile Demokratie, wie auch Andreas Steinig in dem Gespräch bestätigt und ein Ort, wo die sozialen Ungleichheiten trotzdem weit stärker ausgeprägt sind als in Deutschland. Aber für das, was man aus Bildern etwa von Südamerika kennt, geht es in dem Land, das übersetzt »Reiche Küste« heißt, doch sehr außergewöhnlich stabil zu. Nicht umsonst nennt man es die Schweiz Mittelamerikas. Steinig erzählt von den Plantagen, die er mit einer Gruppe von Kaffeefanatikern erkundet hat und von einem Land, das die beiden spürbar fasziniert hat. Da sind die intensiven Farben, von denen Monika Steinig schwärmt, die Vielgestaltigkeit der Landschaft, der Tier und Pflanzenwelt, an die ihr Mann erinnert. Und natürlich die Menschen.

Bild: Treccino

Bild: Treccino

Durch den Dschungel

Vor der besonderen Kaffeefahrt hatten die beiden auf eigene Faust das Land erkundet. Monika Steinig berichtet, wie man in den Dschungel gefahren sei und nach einer Weile doch in Zweifel kam, ob der Weg noch richtig ist. Eine kleine Häuseransammlung, ein Geschäft. »Ich ging in den Supermarkt und fragte die Leute, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind«, ergänzt Andreas Steinig. Die Reaktion habe ihn gleichermaßen überrascht wie erfreut. »Die Herzlichkeit war wirklich entwaffnend. Nicht nur, dass man gleich Informationen bekommt. Am Ende wird man verabschiedet wie alte Freunde«, erinnert sich der Röster. Neben dem Kaffee war es also auch das Land, was die beiden faszinierte. Und die Begegnung mit der Geburtsstätte dessen, womit sie tagtäglich umgehen, das habe die beiden doch sehr verändert und geprägt, erzählen beide.

Bild: Treccino.

Bild: Treccino.

Die Zeit der Liebe

»Das Bewusstsein ist ein anderes geworden. Man spürt jetzt, wie viel Mühe und Liebe aufgebracht wurden, bevor die Bohnen in den Jutesäcken in die Rösterei kommen.«, erinnert sich Monika Steinig. Da habe es eine Episode gegeben, die die beiden sehr angerührt habe. Eine Plantage, wo der Kaffee in einem Silo getrocknet worden ist. Eine Mitarbeiterin erzählte den beiden: Das sei der Ort, an dem sie sich als Kind gern zurückgezogen habe. Ein Ort der Ruhe. Drei Monate könnten die Kaffeebohnen hier ruhen, habe sie sinniert und mit der Hand liebevoll über die Bohnen gestrichen. Beide konnten selbst zwischen den Sträuchern in der Plantage erleben, was es heißt, Kaffeekirschen zu ernten und zu schmecken (nämlich süß). Zwei Dollar pro Korb, erläutert Andreas Steinig. Zehn Körbe schaffe ein guter Pflücker. Eine harte Arbeit sei das. Und da finde man es noch umso beschämender, wie das Kultgetränk in den Supermärkten verschleudert werde. Was Costa Rica angeht, so könne man aber ein gutes Gewissen haben. Dort sei der Markt so reguliert, dass man auch ohne Siegel von Fair Trade sprechen könne, erklärt Andreas Steinig. Und weil man nun sogar direkte Kontakte geknüpft habe, gebe es bald zudem direkt importierten Kaffee aus dem Land, freut er sich.

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Organische Kreisläufe

In vielen Plantagen, in denen der Kaffee gleich weiter verarbeitet werde, ginge man sehr verantwortungsvoll mit Mensch und Natur um, berichtet er. »Man möchte, dass die Menschen wieder kommen und sich qualifizieren, damit vor allem reife Kirschen gepflückt werden. Das ist für die Qualität wichtig. Und deshalb schafft man Möglichkeiten, damit die Wanderarbeiter aus den umliegenden Staaten von Costa Rica, nämlich Nicaragua und Panama, mit ihren Familien die Erntezeit ab Dezember im Land verbringen können.«, erzählt er. Dazu gehörten Spielmöglichkeiten für die Kinder und eine gute Unterbringung für die Familien. Statt ausschließlich chemischer Düngung versuche man zunehmend, einen Rohstoffkreislauf in den Plantagen zu schließen, erfahre ich. Der ökologische Gedanke sei präsent. Fasziniert haben die beiden, wie gesagt, die Herzlichkeit der Menschen, die Neugierde, wie der Kaffee denn so weit von der Heimat ankomme. Die besten Kaffees gingen nämlich in den Export, während die Menschen in Costa Rica eher eine durchschnittliche Qualität bekämen. Aber auch hier ändere sich das Bewusstsein. Vor allem das Selbstbewusstsein der Menschen.

Eine lohnende Fahrt

Die Fahrt, die von den Freunden der Kaffeeschule in Hannover initiiert und von Speciality Coffee Association of Costa Rica organisiert wurde, war für das Treccino ein voller Erfolg. »Ich gehe jetzt mit den Bohnen irgendwie anders um, wenn ich beim Rösten bin. Man sieht jetzt noch mehr das ganze Bild. Und wenn man einmal in der Plantage gestanden hat und den süßen Geschmack der Kaffeekirsche probiert hat, wird man das nicht vergessen«, sinniert Andreas Steinig. Die beiden verharren einen Augenblick, als Andreas Steinig die Bilder auf dem Laptop durchklickt. Fröhliches Lachen im Kaffee. Angeregte Unterhaltungen, Kinder, Erwachsene, Singles und Familien. Das Aufbrausen des Siebträgers, sein Zischen und Röcheln. Das Rasseln von Kaffeebohnen, die in eine Tüte geschüttet werden. Eine Wolfenbüttler Kaffeehaussinfonie. Und mittendrin diese wunderbaren Erinnerungen an eine Reise zu den Wurzeln. Von Wolfenbüttel nach San José. Nicht direkt natürlich. Ein weiter Weg. Aber einer, der sich gelohnt hat.

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