Ein Hoch auf den Genuss

Posted on Sep 26 2014 - 4:05am by Andreas Molau

Für Genuss muss man sich nicht selten entschuldigen. Kulinarisch38 fragt, warum? Und genießt zum Espresso ein Gläschen Calvados.

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Genuss gehört zu den Begriffen, die einen ungünstigen Ruf haben. Stets schwingt ein bisschen Angst mit und schlechtes Gewissen. Dieses könnte ungesund sein, jenes als Luxus gewertet werden. Wie so oft liegt das Problem im ungenauen Denken. Differenzieren ist anstrengend. Das gilt zu allererst für die Sprache. Genuss ist etwas Positives. Und wer übertreibt, ist kein Genussmensch, sondern ein Hedonist. Der hat zurecht einen üblen Ruf. Genuss ist dagegen erst einmal nichts anderes, als eine positive Empfindung der Sinne. Empfindungen wirken sich immer auch körperlich aus. Es kann Genuss bereiten, einen stimmungsvollen Sonnenuntergang zu erleben, ein gutes Buch zu lesen, einen anderen Menschen zu lieben oder einen besonderen kulinarischen Augenblick. Die erste Tasse Kaffee am Tag. Genuss und Muntermacher. Ein Whisky nach einem arbeitsreichen Tag. Entspannung pur.

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Das Leben genießen

Aber statt dem Rat des römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca zu folgen, das Leben zu genießen, weil es im »schnellen Lauf« dahin flösse, belasten wir uns mit Bedenken. Alkoholgenuss sei schädlich. Niemand möchte in den Verdacht geraten, unmäßig zu leben. »Wir haben ein kindisches, tyrannisches Über-Ich, das uns dazu bringt, uns nichts zu gönnen und uns ständig vor allem zu fürchten«, beklagte der Philosoph Robert Pfaller in einem Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Und das oft sogar wider jede Rationalität. Das Thema Kaffeegenuss ist ein gutes Beispiel. Der ist, entgegen hartnäckiger Vorurteile, so ungesund wie alles. Aber eben nur dann, wenn man kein Maß kennt.

Magenkranke Kaffeegenießer

Besonders zählebig ist der Hinweis magenkranker Zeitgenossen, sie könnten wegen Sodbrennen keinen Kaffee zu sich nehmen. Erst vor einem Jahr verwies eine Metaanalyse durch zwei unabhängige Autoren diese Ansicht ins Reich der Legenden. Grundlage für das Urteil waren Daten aus 15 Studien. Und die ergaben, ein Zusammenhang zwischen Refluxkrankheit und Kaffee Genuss ist wissenschaftlich nicht haltbar. (J Kim et al., Association between coffee intake and gastroesophageal reflux disease: a meta-analysis, Diseases of the Esophagus; Dis Esophagus. 2013 Jun 24. doi: 10.1111/dote.12099. )

Qualität braucht Zeit

Ähnlich sieht die Situation bei den anderen Knackpunkten aus: Kaffee sei schlecht für den Blutdruck und das Herz oder das Rösten erzeuge angeblich krebserregende Stoffe. All das ist längst widerlegt. Aktuelle Beobachtungsstudien sprechen davon, dass der Muntermacher sogar für gewissen Schutzeffekte sorgt. Das Koffein ist nur eines von mehr als 1.000 Stoffen, deren Wirkungen noch kaum erforscht worden sind. Klar ist nur, dass dies je nach Erntezeit, Röstungsart und Sorte unterschiedlich ist. Je behutsamer mit den Bohnen umgegangen wird, umso besser die Qualität des Endprodukts. Gerade kleine Röstereien lassen sich mehr Zeit und benötigen dadurch nicht so hohe Temperaturen.

Calvados

Die Dosis macht das Gift

Ein Forscherteam aus Singapur und den USA (Circulation: http://circ.ahajournals.org/content/129/6/643) machte schließlich erst kürzlich auf den Dosiseffekt aufmerksam. Seit dem Mittelalter wissen wir vom deutschen Arzt Paracelsus, dass nichts Gift ist, falls die Dosis stimmt. Bei Frank Hu von der Havard School of Public Health in Boston klingt das so: Kaffee in normalen Mengen wirke positiv auf die Gesundheit. Wenn zu viel davon getrunken werde, schlage die Wirkung in die negative Richtung um. Bei aller Wissenschaftlichkeit sollte man sich aber am Ende eben auch auf das eigene Gefühl verlassen. Was gut tut, kann für den Körper nicht schlecht sein. Genuss ist gesund. Genussmenschen sind entspannt. Das unterscheidet sie in der Regel von Asketen und Ideologen. Zum Espresso gibt’s bei mir deshalb gleich noch einen Calvados zur Begleitung.

Infos zum Thema:

Kaffee und Gesundheit:

http://www.kaffee-wirkungen.de/

Kaffeezubereitung:

https://komtra.de/jura-ersatzteile.html

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