Glenfiddich zu Besuch in Braunschweig

Posted on Okt 23 2014 - 4:37am by Andreas Molau

Mit Markus Heinze, der die Whiskymarke Glenfiddich in Deutschland vertritt, treffen wir uns zu einem Tasting bei PeLS. Der englischen Sprachschule von Paul Close.

Der Tisch ist gedeckt.

Der Tisch ist gedeckt.

Wo wäre das Thema Whisky besser aufgehoben als bei meinem Freund Paul. Paul Close ist Braunschweiger mit britischen Wurzeln oder Brite mit Liebe zur Löwenstadt. Ganz wie man will. Jedenfalls ist er als Soldat nach Deutschland gekommen und als Botschafter seines Landes hiergeblieben. Leidenschaftlicher Eintrachtfan und Whisky-Liebhaber. Wir treffen uns in seiner Sprachschule PeLs, wo man seit über dreißig Jahren richtig englisch lernen kann. In der Schule klappt das bekanntlich erfahrungsgemäß weniger gut. Mit von der Partie, Markus Heinze. Er kümmert sich in Deutschland und manchmal in Österreich und der Schweiz um die Marke Glenfiddich. Die Idee. Ein Tasting. Bevor man eine Sprache lernt oder mindestens parallel dazu, sollte man die Kultur kennen. Und Whisky gehört zur Kultur der Insel. Auch wenn sich Schotten und Engländer gelegentlich kabbeln. Die Vielfalt der Einflüsse macht den Reiz dieses Landes aus.

Paul Close hat die Leidenschaft für den Whisky mit nach Deutschland gebracht.

Paul Close hat die Leidenschaft für den Whisky mit nach Deutschland gebracht.

Das »Wasser des Lebens«

Whisky leitet sich vom schottisch-gälischen »uisge beatha« ab und bedeutet so viel wie »Wasser des Lebens«. Es ist ein herrlicher Frühherbsttag. Der Himmel ist blank geputzt. Es ist noch ein wenig kalt, aber die Sonne tut ihr Bestes. Markus Heinze hat den Kofferraum voll Flaschen, Gläser und geheimnisvoller Utensilien beladen. Zwei Holzplanken, Köfferchen, Döschen, Fläschchen. Das breitet er bei PeLS sorgfältig aus. Paul Close hat die Vorbereitungen getroffen. Etwas Brot. Passende Gläser. Keine Tumbler, also Wassergläsern ähnliche Teile, aus denen man vor allem in den USA populäre Marken trinkt. Heute kommen Nosinggläser zum Einsatz. In denen entfaltet sich das Aroma erst richtig. Warum man in den USA andere Formen bevorzugt, erklärt der Whiskyfachmann. »Das liegt an der Temperatur. In den Südstaaten ist es warm. Da kühlt man den Whisky mit Eis«, erzählt Markus Heinze, während er seinen Laptop mit dem Beamer verbindet. Die Holzplatten aus den Fässern geben den Kontrapunkt zur modernen Präsentationstechnik.

Alles ist gespannt auf den ersten Schluck.

Alles ist gespannt auf den ersten Schluck.

Glenfiddich: ein sympathischer Familienbetrieb

Gut zehn Jahre hat der Glenfiddich-Botschafter sich mit dem Thema beschäftigt. Als Barmanager kennt er sich mit Gebranntem sowieso aus. Whisky hat es ihm schon lange angetan. Als dann vor einem Jahr der Ruf nach Schottland erfolgte, stand fest. Das ist die berufliche Zukunft. Und wenn man Markus Heinze zuhört, kann man das verstehen. Glenfiddich ist nicht nur eine berühmte Marke. Es handelt sich vor allem um einen Betrieb mit Tradition, Geschichte und viel Innovationskraft. Das liegt vielleicht an den Menschen, die diesen Familienbetrieb, das ist er trotz der Größe immer noch, geprägt haben. Egal ob Markus Heinze über einen der früheren Malt Master, David Steward, spricht, der auch nach seiner Pensionierung für den Betrieb mit ganzem Herzen da ist oder über die Familienmitglieder mit ihren Anekdoten und Histörchen. Im Tal der Hirsche, so heißt Glenfiddich übersetzt, wird man offenbar nicht nur als Mitarbeiter aufgenommen, sondern als Familienmitglied.

Die Zutaten werden verkostet.

Die Zutaten werden verkostet.

Von der kleinen Brennerei zur Weltmarke

Familie war für Glenfiddich von Anfang an eine wichtige Größe und der Garant zum Erfolg. Als am ersten Weihnachtsfeiertag 1887 der erste Tropfen aus der Destille floss, war es gerade ein Jahr her, dass William Grant und seine Familie mit den Vorbereitungen zu dem Projekt angefangen hatten. Aus der kleinen Brennerei wurde eine weltweit bekannte Marke. In Asien entwickele sich ein größer werdender Markt für Whisky, berichtet Markus Heinze. »Besonders die alten Sorten sind dort beliebt. Geld spielt hier nicht so sehr die Rolle. Die alten Jahrgänge werden deshalb knapp«, erklärt der Fachmann. Aber zur Sorge bestehe trotzdem kein Anlass. Nachschub sei vorhanden. Denn auch in Deutschland findet Whisky immer mehr Liebhaber. Paul Close hat diese Leidenschaft mit nach Deutschland gebracht. Er war als Soldat unter anderem in Schottland stationiert. Heute führt er regelmäßig Reisegruppen durch die verschiedenen Regionen Groß Britanniens.Und natürlich stehen die Whiskybrennereien oben an. Bei Glenfiddich war er schon einige Male. Sogar auf der Hochzeitsreise.

Die erste Flasche wird entkorkt…

Markus Heinze entkorkt die erste Flasche.

Die Magie der Düfte

Dort zeigte man, was im Hirschtal unter Gastfreundschaft verstanden wird. Für seine deutsche Frau wurde wegen des besonderen Anlasses die Führung in ihrer Muttersprache gehalten, erzählt er. Erinnerungen und Erwartungen lassen dieses Tasting starten. Markus Heinze sensibilisiert für Gerüche und Aromen. »Jeder sollte sich die Zeit nehmen, an Dingen zu riechen. Holz, Leder, Brot oder Blumen. Ganz egal. Düfte sensibilisieren, schaffen Stimmungsbilder, an die man sich später immer noch erinnert«, rät er, während die Grundaromen in Reinform die Runde machen. Vanille, Holz und Birnenaroma. »Die drei Aromen finden sich in allen Whiskys aus unserem Haus in unterschiedlicher Intensität und Art wieder«, erklärt Heinze. Wir schnuppern abwechselnd mit dem rechten und mit dem linken Nasenloch. Tatsächlich, es ist so, wie er verspricht. Man nimmt Düfte auf den verschiedenen Seiten anders wahr. Wer hätte das gedacht?

Riechen, schmecken, erleben

Riechen, schmecken, Geruchserlebnisse aus dem Gedächtnis hervorkramen. Das bestimmt die drei Stunden der Unternehmung. Das gilt für die Grundzutaten – Gerste und Wasser. Das dritte Element, das das »Wasser des Lebens« entscheidend prägt, können wir nur durch das Ergebnis ahnen. Die reine und würzige schottische Luft. Die Gerste wird von den Feldern des Landes geerntet und anschließend gemälzt. Markus Heinze erklärt, warum manche Whiskysorten so torfig schmecken. Der Mälzvorgang muss bekanntlich durch Hitze unterbrochen werden. Und in früheren Zeiten heizte man, nicht nur in Schottland, gerne mit Torf. Aus der Not ist für manche Whisky-Genießer eine Tugend geworden. Allerdings ist dieser strenge Geruch nicht jedermanns Sache. Glenfiddich besticht durch andere Aromen. Vanille, Birne, Holz. Die Mutter aller Whisky-Sorten, der zwölfjährige Glenfiddich in der grünen dreieckigen Flasche wartet nebst den anderen Sorten auf die Verkostung.

Fortsetzung folgt.

image_pdfimage_print

Leave A Response