Goslar im BurgerGlück

18. Oktober 2016 von

Im alt ehrwürdigen Goslar gibt es einen Burger, um den manch Berliner oder Münchner uns hier beneiden würde. Goslar ist im BurgerGlück.

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Am besten sind die unerwarteten Dinge. Wer nach Goslar kommt, der wundert sich nicht über eine zünftige Gastronomie mit heimischen Spezialitäten. Gose-Bier, Harzer Käse, Harzer-Höhenrind – das sind alles feine Sachen, die es lohnen, die Kaiserpfalz zu besuchen. Von den pittoresken Straßenzügen und der geballten Ladung von Geschichte mal abgesehen. BurgerGlück passt nicht in dieses Klischee. Oder vielleicht doch? Jacques Hahne und Andreas Fritsche sind jedenfalls echte »Goslaraner«. Und ihr Burgerparadies mitten in der Innenstadt der alten Kaiserpfalz haben sie gerade deshalb dort geschaffen, weil sie ihre Stadt lieben. Wir haben es uns in einer Ecke der gemütlichen Location bequem gemacht. Andreas Fritsche organisiert ein Ginger Ale – nicht von der Stange –, während Jacques Hahne noch in der Küche wirbelt. Es ist 17 Uhr. Im Laden ist schon ganz schön was los. »Das ist wenig«, lacht Andreas Fritsche. Als die beiden vor einem Jahr das Experiment »hippe Esskultur« in »ehrwürdiger Stadt« wagten, hätten die Gäste draußen angestanden. »Das hatten wir am Anfang ein bisschen unterschätzt, was da an Arbeit dahintersteckt. Das erste Jahr gab es kaum Luft für uns«, erinnert sich Fritsche, der schon einmal erzählt, wie das »alles so begann«.

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Beste Freunde

Später kommt Jacque dazu. Die beiden sind das, was man so »beste Freunde« nennt. Seit der Schulzeit. Und nun sind sie auch geschäftlich miteinander verbunden. Dass sie mal Burger, Saucen und Desserts kreieren und verkaufen würden, hätten sich die beiden wohl nicht gedacht, obwohl einer familiär aus dem Gastro-Bereich kommt. Vor dem kulinarischen Teil der Biografie haben sich die beiden – ebenfalls schon gemeinsam – mit Mediengestaltung und Marketing befasst. Und das sieht man. Internetseite. Karte. Inneneinrichtung. Im Burgerglück ist nicht nur das Essen gut, wie ich nach dem Gespräch gleich erleben kann. Form und Inhalt stimmen überein. »Wir hatten Freunde und Familie, die das Projekt kräftig mit unterstützt haben«, erzählen die beiden. Aus einem gemütlichen Lokal, das den Charme vergangener Zeiten ausgestrahlt haben mag, wurde durch fleißige Hände vor allem in Eigenarbeit eines mit modernem Ambiente. An den Wänden bunte Cartoons, die traditionelles aus dem Harz und heutige Lebensart miteinander verbinden. Die »Essanweisungen« in der Karte zeigen: Die beiden haben Humor. Und generationenübergreifende Gäste, wie sie betonen.

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Am liebsten Burger

Jacque Hahne und Andreas Fritsche haben sich ganz und gar mit dem Konzept verbunden. Der Grund, warum es gerade ein Burgerladen sein sollte, ist leicht erklärt. Die beiden lieben Burger und wollten in Goslar einen handgemachten essen. Leidenschaft überbrückt Gräben, wie der Journalist, Dichter, Philosoph, Schauspieler, Historiker,… Egon Friedell schon vor fast hundert Jahren so schön formulierte, als er das Loblied auf den »Dilettanten« sang – nur bei dem deckten sich Mensch und Beruf, stellte er fest. Wenn Jacques Hahne über seine Burgerkreationen spricht, ahnt man, was damit gemeint ist. Alles, bis zu den Saucen, wird selbst hergestellt und mit Leidenschaft verarbeitet. Andreas Fritsche, der sich vor allem um Service und Buchhaltung bei dem Projekt kümmert, testet das regelmäßig aus: »Ich esse seine Burger am liebsten. Und das gern auch jeden Tag.«, schmunzelt er. Bei seinem Geschäftspartner ist das seltener der Fall. Wer selbst in der Küche steht weiß, dass man zur eigentlichen Mahlzeit immer weniger Appetit hat. Nur neulich, erinnert sich Andreas, habe er mal wieder einen gegessen und zufrieden festgestellt: »Der schmeckt ja wirklich gut.«

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Und es schmeckt himmlisch

Und das kann ich nach dem Gespräch nur bestätigen. Zunächst: Hier kann man nicht nur Burger essen. Ein Menü ist ein richtiges Menü. Zum Start gibt es Fingerfood. Frittiertes Gemüse oder Mozzarellasticks mit herrlichen Dips. Dann der Burger. Der Western Onion. Ein Traum mit medium gebratenen Beef (auf Wunsch), Cheddar, Zwiebelringen und einer feinen hausgemachten BBQ-Sauce, die zwar leichte Rauchnoten hat, dafür trotzdem frisch und fruchtig wirkt. Ganz nach Anleitung versuche ich, das Kunstwerk zu halten und ohne Besteck zu essen. Bis zur Hälfte hat das auch ganz gut geklappt. Wenn ich den Abschlusstipp von Andreas Fritsche beachtet hätte, hätte ich das komplett geschafft: »Erfahrene Burgergenießer halbieren den Burger vorher.«, erklärt er mir hinterher. Das ist vermerkt. Und zum Abschluss gibt’s noch einen American Cheesecake. So wie er sein muss. Leicht und cremig und lecker. Für die konditorischen Aufgaben haben die beiden eine Fachkraft, die für das Burgerglück zaubert. Am besten sind eben die unerwarteten Dinge. Und ob »morning glory« oder funky chicken«. Da steht so viel Unentdecktes auf der Karte, dass ich mich gern wieder überraschen lasse…

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