Im Treccino gibt’s bald Kaffee aus Kuba

Posted on Jul 23 2015 - 4:45am by Andreas Molau

Beim letzten Treccino-Besuch fiel mir ein ungewöhnlicher Kaffeesack auf. Darin waren Arabicabohnen aus Kuba. Den Kaffee gibt’s bald im Angebot.

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So ist das, wenn die Politik der großen weiten Welt sogar in die Provinz kommt. Indirekt wenigstens. Als ich neulich meinen Kaffee im Treccino trank, fiel mir ein Kaffeesack auf. Nicht, dass überhaupt einer am Boden stand, war ungewöhnlich. Aber die Aufschrift. »Café Cubano«. Kuba. Dieses Land hat in den letzten fünfzig Jahren die Menschen entzweit. Die einen waren Fans des Inselstaates, weil er den Amerikanern Paroli geboten hat. Man erinnert sich an Gerhard Schröder, inzwischen schon Alt-Kanzler, mit Havanna. Als Jungsozialist damals. Die anderen hielten den Staat für das ausgemachte Böse. Wieder andere liebten einfach nur die Musik, die Literatur, die Clubs, die alten Autos, die Langsamkeit des Augenblicks, der noch nicht von der Maschinerie des Fortschritts und des Profits überrollt worden ist.

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Was braucht man, um frei zu sein?

Wie viel Politik braucht man überhaupt, um unabhängig zu sein. Der kubanische Poet Josí Martí hatte eine Antwort, mit der sich die Menschen ein halbes Jahrhundert trösteten: »Nur dem kulturellen Menschen gelingt es, wahrhaft frei zu sein.« Und so träumt man, jedenfalls aus der Ferne, vom morbiden Charme der alten Architektur aus spanischer Kolonialzeit, von den Cafés, in denen es gar keine angesagten Mode-Schnick-Schnack-Cocktails geben muss, um den Zauber des Augenblicks zu genießen. Rum von den Zuckerrohrfeldern des Landes und Zigarren. Die verbindet man mit dem Karibikstaat. Und nun steht da dieser Kaffeesack. Sie habe die Bohnen, die übrigens ganz klein und filigran sind, angeboten bekommen, erzählt Monika Steinig. Und natürlich habe sie sofort zugegriffen. »Wir waren gespannt, was sie geschmacklich bringen werden«, freut sich Steinig.

Kuba ist auch ein Kaffeeland

IMG_2952Die ersten Röstergebnisse sind bereits da, nun muss der Kaffee etwas ruhen. Schließlich entwickele er sich immer noch nach der Röstung, weiß die Barista. Bevor der Rum zum Exportschlager des Landes wurde, gehörte Kuba zu den größten Kaffee-Importeuren der Welt. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts werden die Bohnen dort angebaut. Ich darf schon einmal kosten und warte ungeduldig, dass die Zeituhr abläuft und der Stempel der French-Press Kanne runtergedrückt werden kann. Das Aroma ist würzig. Der Geschmack vollmundig, säurearm, wie es scheint. Geschmack ist ja stets viel Psychologie. Und so meine ich im Abgang das würzige Aroma einer Zigarre zu spüren. Ob’s stimmt?

Die Weltpolitik in der Proivinz

Aber ganz egal. Die Großen der Welt haben beschlossen, den Boykott gegen den Inselstaat aufzuheben. Das war ja gerade kürzlich erst offiziell der Fall. Und da steht nun also dieser Sack mit Kaffee, der auf den verwunschenen Pfaden der Globalisierung, hier möchte man sie lieben, den Weg in die kleine Lessingstadt gefunden hat. In Theodor Fontanes Roman »Stechlin« gibt es auf dem gleichnamigen See immer eine Fontäne, wenn draußen in der Welt etwas passiert. Das Große spiegelt sich im Kleinen wider. Und bei uns, da kommt die Politik der weiten Welt eben kulinarisch zu Vorschein. Das ist doch auch eine nette Variante.

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