Kulinarischer Plausch mit Ralf Brodocz

Posted on Jun 18 2015 - 4:31am by Andreas Molau

Ein schöner Sommertag, ein ruhiges Plätzchen in der City. Der ideale Ort, um mit Ralf Brodocz in seinem Restaurant über die kulinarischen Frühsommertrends zu plauschen.

Ralf Brodocz im Gespräch.

Ralf Brodocz im Gespräch.

Endlich ein schöner Sommertag. In der Braunschweiger City ist richtig was los. Obwohl es mitten in der Woche ist. So ein paar Sonnestrahlen verändern die Menschen. Alles Grau verschwindet mit dem offenen Himmel aus den Gesichtern. Die Kinder an den Händen ihrer Eltern zieht es magisch zu den Eisdielen. Und die lassen sich gern zu einer Kugel überreden. Das große Tor an der Stephanstraße 2 ist angelehnt. Mit viel Kraft gewährt es trotzdem Einlass in den idyllischen Hof des Restaurants Brodocz. Ralf Brodocz, der gerade noch hungrige Mäuler zur Mittagszeit gestopft hat, sitzt zwischen rankendem Grün und Blüten an einem Tisch und genießt die Sonnenstrahlen. »Die Tür daneben wäre auf gewesen«, lacht er und lädt zum Sitzen ein. Wir wollen ein bisschen plaudern. Gut essen ist eine feine Sache. Darüber zu sprechen, kann inspirieren. Allzumal bei solch einem erfahrenen Koch. Wir haben uns das letzte Mal im Herbst gesehen. Was es Besonderes gibt, jetzt im frühen Sommer, will ich wissen. Brodocz holt tief Luft, überlegt einen Augenblick, und dann klingt die Antwort wie ein kulinarisches Bekenntnis: »Man giert doch nach den dunklen Tagen nach etwas Frischem. Spargel, Erdbeeren, Heidelbeeren. Und das gesamte frische Sommergemüse gibt es nun auch bald frisch.«

Passend zur Jahreszeit essen

Marokkanische Salzzitronen. Bild: English wikipedia/  Gilabrand

Marokkanische Salzzitronen. Bild: English wikipedia/ Gilabrand

Natürlich gebe es alles zu jeder Zeit. Aber es sei schon etwas Anderes, wenn die jeweilige Frucht wirklich Konjunktur habe, sinniert er. Überhaupt sei es gut, im Einklang mit den Jahreszeiten zu essen. »Das hat alles seinen Sinn«, erklärt der Koch. Der Bärlauch zum Beispiel. Im Tierreich sei er eine echte Frühlingskur. Wenn sich die Bären nach dem langen Winterschlaf entschlackten, sei das grüne, knoblauchähnliche Kraut genau das Richtige. Natürlich sei auch im Brodocz die Spargelzeit ein kulinarisches Event. Ralf Brodocz nimmt sich, nicht nur weil er leichter zu verarbeiten ist, gern den grünen Spargel vor. »Ich finde ihn sehr aromatisch und eine echte Alternative zum Weißen«, erklärt er. Am Liebsten serviere er zur Zeit gebratenen Spargel. »Kurz angeschwenkt mit einem neutralen Öl, ein wenig Kürbiskernöl und einen Schuss Balsamico. Das passt bestens zu Fisch. Zum Beispiel zu einer Dorade«, verrät er.

Frisch und einfach

Überhaupt. Das Einfache sei meist das Beste. In den langen Jahren als Koch habe sich das stets bestätigt. »Nehmen Sie nur eine neue Kartoffel und eine frische Frankfurter Sauce. Wenn ich das serviere, dann ist die Bude hier voll«, schmunzelt er. Dabei suche er immer wieder gern nach neuen Geschmackserlebnissen. Ralf Brodoczs neue Lebensgefährtin stammt aus Marokko und hat solche Anregungen mitgebracht, die er gleich auch in den Restaurantalltag mit eingebracht habe. Da seien zum Beispiel die in Salz eingelegten Zitronen. Der Koch eilt in die Küche, um ein Glas, das er selbst eingelegt hat, zu holen. Man müsse den herbsüßen Geruch und Geschmack einfach selbst erleben, schwärmt er. Geruchs- und Geschmacksprobe geben ihm recht. Seine Sauce zum Thema, die er mit schwarzen Oliven und frischem Rosmarin versehen hat, kann man sich gut vorstellen.

Beim Brodocz erfrischt die ganze Orange.

Beim Brodocz erfrischt die ganze Orange.

Marokkanische Erfrischung im Brodocz

Auch eine neue Erfrischung stammt aus Marokko. Im Brodocz heißt sie kurzerhand marokkanische Limonade. »Dazu wird die ganze Orange verwendet«, erklärt er. Das sind im Brodocz natürlich Bio-Orangen. Die werden püriert, durch ein Sieb gegeben und mit Zucker versetzt. Durch die intensiven Aromen in der Schale habe dieses erfrischende Getränk, das sich ebenfalls gut zum Mixen eigne, einen besonderen Geschmack. Eine echte Entdeckung sei das, die er nicht mehr missen möchte. Während von draußen schon Gäste durch das große Tor schauen, ob der Innenhof nicht doch bereits wieder geöffnet ist, schaut Ralf Brodocz auf die Uhr: „Bevor gekocht wird, geht es an den Schreibtisch.“ Aber bei diesem Wetter zeichnet selbst diese Voraussicht keinen Ärger in sein Gesicht. Denn bei Sonnenschein lässt man sich manches gefallen.

image_pdfimage_print

Leave A Response