Nehmen Sie sich Zeit – Gedanken zum guten Essen

Posted on Jul 8 2014 - 11:09am by Andreas Molau
Das fehlende Puzzleteil können wir selbst bestimmen, meint unser Autor Axel von Fliesteden – die Zeit.

Das fehlende Puzzleteil können wir selbst bestimmen, meint unser Autor Axel von Fliesteden – die Zeit.

In seiner aktuellen Kolumne beschäftigt sich unser Autor Autor Axel von Fliesteden mit dem, was wir uns beim Thema Essen nehmen sollten: Zeit.

Wir leben in hektischen Zeiten. Kaum haben sich am Morgen die Schleusentore unserer Psyche geöffnet, stehen wir auch schon unter Strom und unsere grauen Zellen werden mit 1.001 zur Erledigung harrenden Dingen überschwemmt. Ein Termin jagt den nächsten und durch die allgegenwärtigen IPhones, diese äußerst geschickt als Telefone getarnten Arbeitsgeräte, sind wir ständig auf Abruf. Jede freie Minute des Tages wird dazu genutzt, noch mal »schnell« die Nachrichten in Form von SMS, E-Mails oder Whatsapp-Beiträgen zu checken, Bilder auf Instagramm zu posten oder »kurz« ins Netz zu gehen, um dort die Social-Media-Profile zu aktualisieren.

Andernfalls könnten wir ja irgendetwas verpassen, nicht wahr? Und bei so viel Stress und Betriebsamkeit ist es doch ganz praktisch, nur einen Knopfdruck von einer Konversation mit Freunden und Familie entfernt zu sein. Allerdings ist eine beständige Unruhe in unserem Leben die Folge dieser geradezu manischen Beschäftigung mit den technischen Suchtmitteln dieser Tage. Mit katastrophalen Auswirkungen auch auf unsere Ernährung und unser Essverhalten.

Wir haben es in der Hand

Kaum jemand nimmt sich noch die Zeit, Essen bewusst und verantwortungsvoll zu genießen. Ganz gleich, was auf dem Teller landet: Hauptsache es kann schnell und praktisch zubereitet werden, ist die Devise. Kulinarische Vielfalt? Nachhaltige und umweltverträgliche Produktion von Lebensmitteln? Wahrung lokaler Traditionen? Geschmacksbildung? Fehlanzeige! Das »Fast Life« braucht das »Fast Food« wie der Fisch das Wasser zum Überleben.

Ernährung ist nicht nur mit unserem Wohlbefinden verknüpft, sondern auch mit politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen vor der eigenen Haustür und im Rest der Welt. Wir haben es in der Hand, ob unser Essen geschmackvoll, frisch und nahrhaft produziert wird und ob die Herstellung ohne Schaden für Mensch, Tier und Natur erfolgt.

Zeit bringt Genuss

Anstatt also wieder einmal die Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben oder eine Currywurst aus der Mikrowelle vor dem Fernseher oder PC zu verschlingen, rate ich Ihnen, sich stattdessen auf eine entspannte und genussvolle kulinarische Entdeckungsreise zu begeben. Lassen Sie den Feierabend wirklich Feierabend sein! Schalten Sie das Handy aus und entziehen Sie sich dem Stress des Alltages, indem Sie ein völlig neues Bewusstsein für Ihre Ernährung und dadurch auch für sich selbst entwickeln.

Interessieren Sie sich künftig dafür, wo ihr Essen herkommt, wie es schmeckt, wo es bewusst eingekauft werden kann und wie Sie es selbst geschmackvoll zubereiten können. Bringen Sie etwas über lokale Genuss-Traditionen in Erfahrung, kosten Sie Weine, von Anbietern Ihres Vertrauens, besuchen Sie Geschäfte, in denen handwerklich hergestellte Lebensmittel angeboten werden und vor allen Dingen: Nehmen und lassen Sie sich Zeit dabei!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern anständige Gelage im Kreise der Lieben, kreative Menügestaltung, bodenständige bis großartige Speisen und das schöne Gefühl selbst über Gestalt und Ablauf zumindest eines Teiles der Freizeit bestimmen zu können!

Ihr

Axel von Fliesteden

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