Saatgut für Sortenvielfalt im eigenen Garten

Posted on Okt 31 2014 - 9:19am by Andreas Molau

Was kann man selbst tun, um im eigenen Garten unbedenklich Gemüse anzubauen? Kulinarisch38 fragte die Blogger und Gartenfreunde Sabine Pecoraro-Schneider und Reinhard Schneider.

Ein Gläschen draußen im herbstlichen Garten ist jetzt schon Glückssache.

Ein Gläschen draußen im herbstlichen Garten ist jetzt schon Glückssache.

Herbsttage sind Abschied. Im Garten spürt man das zurzeit besonders gut. Laub harken, Beete fertigmachen. Wer gut vorgesorgt hat, kann sogar noch Wintergemüse ernten. Lauch und Braunkohl vertragen Frost, der Sellerie ebenfalls ein wenig. Kohlsorten, Möhren und Zwiebeln müssen nun bald raus. Auch das selbst Geerntete ist bei richtiger Lagerung eine ganze Weile haltbar. Das Gefühl aus dem eigenen Anbau Unbedenkliches auf den Tisch zu bringen, ist ein Stück Lebensqualität. Aber stimmt das immer? Im Blog Garten-Träume- und Räume erschien am 13. Oktober 2014 ein Beitrag von Sabine Pecoraro-Schneider, der doch stutzig machte. Es geht um Saatgut, das dem Blog für Gartenfreunde zur Bewerbung angepriesen wurde und sich als Trojanisches Pferd entpuppte.

Der Lauch kann noch einige Tage stehen. Und die letzten Blumen im Beet sollte man auch noch stehen lassen, bis der Frost sie verblühen lässt.

Der Lauch kann noch einige Tage stehen. Und die letzten Blumen im Beet sollte man auch noch stehen lassen, bis der Frost sie verblühen lässt.

Steckt Monsanto dahinter?

Versprochen wurde in schönen Farben Bioqualität. Die Bloggerin hatte aber ein gesundes Misstrauen und recherchierte über den angeblichen Bio-Anbieter. Und siehe da: Es finden sich Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang mit Firmen wie Monsanto. Ausgerechnet eine Firma also, die nicht gerade für Artenvielfalt, sondern für Kontrolle und Einförmigkeit auf dem Saatgutmarkt steht. Stellt sich die Frage, wie man sicher sein kann, dass nicht das im Beet großgezogen wird, was man gar nicht auf dem Teller haben wollte. Bevor man keine hundertprozentige Sicherheit hat, dass solche Firmen nicht dahinter stecken, möchte man doch lieber auf die Produkte verzichten. Wir fragten deshalb bei den engagierten Bloggern und Gartenfreunden Sabine Pecoraro-Schneider und Reinhard Schneider nach, ob es ihrer Ansicht nach überhaupt verlässliches Saatgut gebe.

Irgendwo trotzt noch eine einzelne Stockrose dem Herbst.

Irgendwo trotzt noch eine einzelne Stockrose dem Herbst.

Konventionelles Saatgut zerstört Artenvielfalt

Zu Beginn ihrer Gartenleidenschaft hätten sie im Nutzgarten auf handelsübliches Saatgut zurückgegriffen. Mit der Zeit habe man aber Erfahrung sammeln können: »Durch Kontakt zu Landfrauen, die z. T. ihr eigenes Saatgut gewinnen, haben wir uns näher damit beschäftigt. Überrascht waren wir über die Vielfalt schmackhafter Tomaten, Salate, Kohl, Rüben etc., die in diesen Gärten wachsen und sich über Generationen in der Region bewährt haben.« Bei konventioneller Saatgutproduktion gehe die Sortenvielfalt völlig verloren, warnen die beiden: »In den Handel kommt nur eine beschränkte Anzahl von Saatgut-Sorten, die im industriellen Prozess hergestellt und für den Handel und Lagerhaltung optimiert sind. Dazu werden auch z. T. giftige Substanzen eingesetzt, die dann in den Boden gelangen und das gesunde Bodenleben beeinträchtigen, wenn nicht sogar zerstören.«

Herbst heißt Abschied.

Herbst heißt Abschied.

Samen selbst gewinnen

Schließlich erklären die Gartenfreunde, wie man selbst Samen gewinnt: »Man gewinnt am besten Samen aus den ersten, vollausgereiften Früchten, beispielsweise den Tomaten. Die Eigenschaft wird bei Neuaussaat an die folgende Generation weitergegeben. Bei Salaten lässt man ein Exemplar im Beet vollkommen ausreifen und kann dann den Samen gewinnen. Damit habe ich für meine Klima- und Standortverhältnisse die optimale Pflanze. Hybriden auch als F1 bezeichnet eignen sich nicht, sie mendeln sich wieder aus. Hier kann man jedoch genauso auf Gärtnerware zurückgreifen.« Es ist also möglich, als Selbstversorger den Klauen der Industrie zu entwischen. Damit verändert man nicht die Welt im Ganzen. Aber immerhin im eigenen Garten.

Aktuelle Informationen über diese Fragen gibt es im Blog Garten – Träume und Räume.

Artenvielfalt als Thema bei Kulinarisch38: http://kulinarisch38.de/hofladen-nagel/

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