Seelenfutter statt Hatzfraß – Gedanken zum guten Essen

13. März 2015 von

Axel von Fliesteden erinnert sich heute an Lucius Licinius Lucullus. Der speiste nicht nur bei seinen Gelagen stilvoll, sondern vor allem auch, wenn er allein war.

Auch ein einfacher Salat kann hübsch angerichtet werden.

Auch ein einfacher Salat kann hübsch angerichtet werden.

Lucius Licinius Lucullus war nicht nur ein hochrangiger römischer Politiker und Feldheer, sondern auch ein in jeder Hinsicht umfassend gebildeter Mann des guten Geschmacks. Populär wurde der genussfreudige Bonvivant vor allem durch seine großartigen Festessen, die er geschmackvoll in großer Gesellschaft zu geben pflegte. Noch heute gilt deshalb der Begriff »lukullisch« als Synonym für erlesene und üppige Speisen.

Über ihn hat die Geschichtsschreibung eine denkenswerte Anekdote überliefert, die ich an dieser Stelle in eigenen Worten wiedergeben möchte:

Gleichwohl der gute Lucullus seine Bankette ebenso sehr liebte wie seine repräsentativen Pflichten als Gastgeber, zog er es eines Tages vor, völlig alleine zu speisen. Dass ihm von seinen bewährten und für ihre Kochkunst weithin berühmten Küchenchefs servierte Mahl behagte seinem hervorragend geschulten Gaumen allerdings nicht. Der Wein war nicht ordentlich temperiert. Die Sauce war fade und ohne Raffinesse zubereitet. Und dem Karpfen fehlte es an ausreichend Fleisch.

Wenn Lucullus mit Lucullus speist

Verblüfft ließ Lucullus seinen Hausdiener antreten, um sich nach den Gründen für die ungewohnt nachlässige Zubereitung des Essens zu erkundigen. Dieser erwiderte ihm kleinlaut, dass man vonseiten der Bediensteten nicht davon ausgegangen sei, sich besonders ins Zeug legen zu müssen, wenn der Herr doch ohne Gäste, ganz für sich alleine speisen würde.

Dem entgegnete der große Gourmet kühl: »Genau dann, wenn ich alleine speise, muss darauf geachtet werden, dass Lucullus mit Lucullus speist!«

In dieser Feststellung steckt eine Weisheit, die heute ungebrochen gültig ist, auch und gerade über 2.000 Jahre nach Lucullus Tod. Denn der kluge Mann hatte begriffen, was es bedeutet, mit sich selbst zu Tisch zu sitzen. Die überwältigende Mehrheit der Menschen hat davon allerdings keine Ahnung. Mehr noch, ihnen stellt sich in der Hektik des Alltages diese Frage gar nicht erst.

Anstatt die Ruhe, die Stille und den Frieden einer alleine eingenommenen Mahlzeit gebührend zu würdigen und zu genießen, flieht der moderne Mensch seiner Gewohnheit folgend vor diesem Zustand. Wer nicht Zeit und Lust hat, in einem überfüllten Fast-Food-Tempfel mit anderen von Einsamkeit geplagten Menschen gelbe Fettstängelchen und artverwandte Geschmacksverstärker zu verschlingen, tut daheim alles, um ja nicht bewusst und mit allen Sinnen sein Essen zu sich nehmen zu müssen.

Lucius Licinius Lukullus und unser Autor Axel von Fliesteden.

Lucius Licinius Lukullus und unser Autor Axel von Fliesteden.

Handy aus und dann essen

Während der Fernseher läuft, werden die neuesten Mails auf dem Computer abgerufen und fleißig Textnachrichten in die Tastatur des Handys gezimmert. Die Aufnahme von Nahrung spielt dabei nur eine äußerst untergeordnete Rolle. Hastig werden nach Nichts schmeckende Fertiggerichte hineingeschaufelt. Der Verzehr von Tiefkühl-Pizzen, Burgern aller Art, als Mahlzeiten verkleideten Fischabfällen und allerlei in Sauce zu Tunkendem steht viel zu oft auf dem Speiseplan. Mit Genuss oder gutem Essen hat das nichts zu tun, im Gegenteil. Solcherlei Fast Food ist teuer, teurer jedenfalls als selbst zu kochen, nahezu geschmacklos und auf Dauer ungesund. Nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für die Kultur des Essens und das eigene Wohlbefinden.

Deshalb täten wir alle gut daran, uns an die Worte von Lucullus zu erinnern, wenn wir wieder einmal vor der Frage stehen, ob wir die Möglichkeit alleine zu Essen einfach vergeuden sollen. Oder besser doch die Gelegenheit nutzen, um uns eine Auszeit vom Stress und der Beschäftigung des Alltages zu gönnen, indem wir in Ruhe ein schönes Mahl zubereiten. So können wir Abstand gewinnen und uns selbst etwas Gutes tun.

Und mal ehrlich, ein Glas Rotwein von der Côte d´Or zu einem zarten Filet zusammen mit ein paar frischen Salatblättern und einem knusprigen Baguette bei sanften Melodien genussvoll und in aller Seelenruhe serviert, schmeckt nicht nur viel besser als Eilmampf und Hatzfraß aus dem Fast-Food-Bunker, sondern wäre auch einem Diner von Lucullus mit Lucullus absolut angemessen.

Ihr

Axel von Fliesteden

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