Slow Food Messe 2015 in Stuttgart

Posted on Apr 11 2015 - 4:00am by Andreas Molau

In Stuttgart war wieder einmal Slow Food Messe 2015. Kulinarisch38 hat sich ins Getümmel begeben, um die neuesten kulinarischen Trends zu entdecken.

Auf der Slow Food Messe in Stuttgart war ordentlich was los. Foto: Messe Stuttgart.

Auf der Slow Food Messe in Stuttgart war ordentlich was los. Foto: Messe Stuttgart.

Wer den »Markt des guten Geschmacks« betreten will, braucht viel Zeit. Nicht nur, weil es hier »slow« zugeht, sondern auch, weil es die endlosen Wege in den neuen Stuttgarter Messehallen dem Besucher nicht gerade leicht machen. Wer dann, trotz konfuser Beschilderung und dreier parallel laufender, teilweise unfreiwillig zu durchquerender Messen  die beiden Hallen der »Foodies« erreicht hat, wird allerdings vollkommen entschädigt.

Selbst an Arbeitstagen, an denen man die fleißigen Schwaben in ihren Büros und Werkshallen vermuten würde, herrscht ein enormer Andrang an den Ständen. Vielleicht, weil Kochen auch eine Arbeit ist? Jedenfalls läßt sich nirgends sonst ein so guter Überblick über die kulinarische Vielfalt Europas verschaffen, mit einigen kleinen Ausflügen in die außereuropäische Welt. Auch wer prinzipiell weiß, daß sich italienische Küche nicht in Pizza und Spaghetti erschöpft, steht neugierig vor den Delikatessen Siziliens, der Marken oder der Lombardei. Doch auch die deutschen Essenslandschaften präsentieren sich mit berechtigtem Stolz. Daß die Bodenseeregion eine von Gott gesegnete Landschaft ist, in der vieles gedeiht, hat man geahnt. Aber wer kennt Hohenlohe, das fränkische Land im Norden Baden-Württembergs, in dem Hans-Jörg Wilhelm seinen Schaumwein in den Varianten Rose, Quitte und Erdbeere ausbaut und Bernulf Schlauch den Holunderzauber, ein Perlgetränk aus frisch gesammelten Holunderblüten, im Champagnerverfahren herstellt? So wird jede Kostprobe auch zu einem Lehrgang in Heimatkunde.

Köstliche Duftschwaden durchziehen die Messehallen. Foto: Messe Stuttgart.

Köstliche Duftschwaden durchziehen die Messehallen. Foto: Messe Stuttgart.

Köstliche Duftschwaden auf der Slow Food Messe 2015

Man sollte nicht unbedingt Anhänger einer der Mangelernährungslehren (Veganismus, Prohibitionismus, etc.) sein, wenn man die Hallen durchstreift, denn die köstlichen Duftschwaden von gerösteten Lämmern und frisch bereiteten Fischsuppen lassen sich ebensowenig umgehen wie die schärferen Aromen der Destillate. Zu schweigen von den  Käsen, die etwa von der »Guilde Internationale des Fromagers« präsentiert werden. Längst vorbei die Zeiten, als gesunde Ernährung mit bröseligen Öko-Keksen und aschgrauen Tofuscheiben assoziiert wurde! Hier wird auf mannigfaltige Weise demonstriert, daß verantwortlicher Anbau, humane Tierhaltung und feinste Kochkunst zusammengehen.

Senfvielfalt in Deutschland.

Whisky und Edelbrände aus Deutschland. Foto: Messe Stuttgart.

Sicher wird gelegentlich etwas dick aufgetragen, etwa wenn eine in Peperoncini-Tunke eingelegte Olivensorte namens »bomba« verkaufsfördernd als »aphrodisierend« angepriesen wird und vitale südländische Händler ihre ganze Gestik und Rhetorik aufbieten, um sich von der allgegenwärtigen Konkurrenz abzuheben. Aber mancher Besucher mag froh sein, auf diese Weise der Qual der Wahl enthoben zu werden. Soll man zum traditionsreichen Einbecker Senf greifen oder lieber zu den Erzeugnissen der Historischen Senfmühle Mönschau? Ist dem auf Stroh gebetteten und natürlich ernährten Schwäbisch-Hällischen Landschwein mit seiner feinen Marmorierung der Vorzug zu geben oder dem schwarzen, halbwilden Porco ibérico aus Portugal? Der erfahrene Messebesucher führt große Stofftaschen von zuhause mit, um die unvermeidlichen Einkäufe gut zu verstauen.

Wer Kinder hat, sollte sie ungeachtet der nicht ganz geringen Eintrittspreise einladen, weil sie hier für`s Leben lernen können. Selbst die 16jährige Tochter wird ihr Smartphone für zwei Stunden aus der Hand legen, wenn sie geschmeckt hat, was Slow Baking aus Brotteig machen kann. Und wenn sie ihr Freund das nächste Mal zu MacDonalds einlädt, wird sie ihm sagen, daß er noch ganz schön an sich arbeiten muß, um eine Chance zu haben.

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