Tim Mälzer kocht Heimat

Posted on Okt 13 2014 - 11:28am by Andreas Molau

Kulinarisch38 hat sich das heute erschienene neue Kochbuch von Tim Mälzer mit dem Titel Heimat angeschaut.

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Tim Mälzer ist zurzeit (wieder mal) in aller Munde. Der Koch versteht das Medienhandwerk. Sein neustes Kochbuch mit dem Titel Heimat ist ein Medienevent. Und das bestimmt nicht wegen des Themas. Denn normalerweise würde das, was der 43-jährige da anbietet, kaum jemandem hinter dem Ofen hervorlocken. Steckrübeneintopf wäre etwas für die Reprintausgabe »aus Großmutters Kochtopf« und ein Brathähnchen, denkt man, wird schon irgendwie gehen. Mälzers Buch ist trotzdem wesentlich mehr als eine Ansammlung von kulinarischen Allgemeinplätzen. Wenn man sich den Textteil anschaut, wird vieles bestätigt, was wir bei der Kulinarisch38-Recherche Tag für Tag erleben. »Denn das mit dem Pessimismus, der Nörgelei und Schwarzseherei der Deutschen ist doch auch nur ein Klischee«, diagnostiziert Mälzer. Und genau das zeigt sich tatsächlich.

Produktvielfalt an der Basis

Mälzer-2Ob produzierend als Gemüse- oder Milchbauern. Ob als Initiative einer kleinen Lebensmittelmanufaktur oder eines großen Betriebes. Oder als Restaurant, zu dem man über verschlungene Lebenswege gekommen ist: Es lohnt sich, wie Tim Mälzer rät, »einfach mal um die nächste Ecke zu schauen. Überall finden sich handwerklich arbeitende Produzenten und eine erstaunliche Produktvielfalt, die es zu unterstützen gilt.« Und genau diese Produktvielfalt zu entdecken, verschreibt sich Kulinarisch38. Heimat bekommt also einen Ehrenplatz in der Redaktion.

Tradition und Handwerk

Gedanken haben ihre Zeit. Freilich nicht nur die guten. Aber eben auch die. Und wenn der Steigenberger Küchenchef Tim Müller gegenüber unserem Blog schwärmt, wie schön es sei, zu den Wurzeln zurückzugehen, Vergessenes auf den Teller zu bringen und den »Auszubildenden in der Küche diese Tradition lebendig zu vermitteln«, dann klingt das bei Mälzer so. »Doch die schönste Rezeptsammlung nutzt nichts, wenn die Tradition nicht gepflegt wird, wenn das Wissen um das Handwerk nicht weitergegeben und von der nächsten Generation neu gedacht wird.« Heimat schmeckt in allen Lebenslagen, wie man in den einzelnen Kapiteln nachschlagen kann.

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Heimat schmeckt

Da geht es um »Suppen«, »Mittagstisch«, »Fisch«, »Fleisch«, »Salate, Gemüse & Beilagen«, »Abendbrot« und Süßes«. Den »Strammen Max« hat bestimmt jeder nach einer Kneipentour um Mitternacht auf den Tisch gebracht. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, kann er mit dem »Zwiebel-Gurken-Häckerle« sicher noch einmal aufgewertet werden. Soleier an sich sind schon Pflicht in diesen Tagen. Die Rotweinvariante Mälzers sollte man unbedingt probieren. Oder warum einfach nicht mal einen Kochschinken selbst zubereiten? Man mag solchen Medienhypes zurecht skeptisch gegenüberstehen, wie das jetzt der Fall ist. Andererseits sollte man auch nicht ständig miesepetern.

So ein Buch wie das von Tim Mälzer kann eigentlich nur die Aufforderung beinhalten, die eigene Region zu entdecken, nachzufragen und neu zu schaffen. Wenn ein Teil der Popularität des Starkochs an der Basis bei den unzähligen Kreativen hängen bleibt, dann leistet er so viel wie eine Fußball Nationalmannschaft, die durch ihren Weltmeistertitel Nachwuchsfußballer in die Vereine zieht.

Das Buch aus dem Mosaik-Verlag bekommt man für 19,99 €  im regionalen Buchhandel, zum Beispiel bei Pfankuch in Braunschweig oder bei Bücher Behr in Wolfenbüttel. Es ist gebunden, hat 301 Seiten und ist mit zahlreichen Abbildungen ausgestattet.

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