Wird die Banane zur Luxusfrucht?

Posted on Okt 24 2014 - 11:46am by Andreas Molau

Unsere Banane gehört zu den aussterbenden Arten. Jedenfalls diejenige, die bei uns in die Obstschale wandert. Kulinarisch38 schaute hinter die Kulissen.

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Es ist schon ein Phänomen. Manche Dinge nimmt man wirklich nur dann zur Kenntnis, wenn sie über einem hereinbrechen. Vorher kann sich der Mensch erfolgreich in der Disziplin der Verdrängung üben. Das ist im Alltäglichen so. Und im Großen erst recht. Am Beispiel der Banane ist das gut zu illustrieren. Diese exotische Frucht ist mehr als eine Obstsorte. Sie steht für den westlichen Wohlstand. Der Deutschen liebstes Kind. Als es zur Wiedervereinigung kam, wurde sie zum Symbol. Hinter Mauer und Stacheldraht lockte der besondere Genuss. Ganze Bananenchargen wurden in Nullkommanichts nach der Grenzöffnung abgeräumt. Wie überall im Wirtschaftsleben ging es aber auch hier stets hauptsächlich um schnelles Geld und maximalen Gewinn. Das bedeutet: Ausbeutung der Ressourcen. Das gilt für Pflanze und Boden.

Wissenschaftler warnten früh

Eigentlich weiß der gesunde Menschenverstand, dass so etwas nicht gut gehen kann. Jedoch, wie schon gesagt: Manche Dinge nimmt man erst zur Kenntnis, wenn sie über einem hereinbrechen. Vor elf Jahren warnte der belgische Pflanzenforscher Emile Frison im Wissenschaftsmagazin »New Scientist«, dass unsere Banane aussterben wird. Die Exportbanane, so der Forscher, werde von einer verheerenden Pilzkrankheit heimgesucht, die bereits damals nur mit massivem Pflanzenschutzmitteleinsatz in Schach gehalten werden konnte. Der Grund: die vegetative, also ungeschlechtliche Vermehrung. Diese Gleichförmigkeit, mache sie für Krankheiten besonders anfällig, hatte Frison gewarnt.

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Die Suche nach einer neuen Bananensorte

Man nimmt die Dinge erst zur Kenntnis, wenn sie über einem hereinbrechen. Und dass man aus Schaden klug wird, ist allenfalls ein frommer Wunsch. Schon in den 50er Jahren war die damalige Essbanane »Gros Michel« durch einen Pilzbefall ausgerottet worden. Dann wurde mit der Sorte »Cavendish« Ersatz gefunden. Und der droht nun das gleiche Schicksal. Seitdem arbeiten die Forscher fieberhaft an einer neuen Sorte. Neben den konventionellen Zuchtmetoden durch Kreuzung soll dabei auch moderne Gentechnik zum Einsatz kommen. Bisher ohne Erfolg.

Erlahmte Lebenskraft

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft – Stichwort Demeter – geht einen anderen Weg. Kulinarisch38 hat bei Christoph F. Meier nachgefragt, der eine Plantage in der in der Dominikanischen Republik bewirtschaftet. Er bestätigt das Auslaugen der »Cavandish«: »Diese Banane ist seit mehr als vierzig Jahren vegetativ vermehrt worden und verliert langsam die Lebenskraft. Das heißt, sie wird immer krankheitsanfälliger.« Das Bananensterben sei ein ähnliches Phänomen wie der Schimmel Phytophora, der die historische Hungersnot in Irland verursacht habe.

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Kosmische Energie

Das biodynamische Konzept, das von Rudolf Steiner bereits Anfang des letzten Jahrhunderts als Antwort auf die Industrialisierung der Landwirtschaft entwickelt wurde, geht einen anderen Weg. »In der biodynamischen Landwirtschaft sind wir der Ansicht, dass eine Pflanze immer wieder durch den Blüten- und Samenprozess durchgehen muss, um mit kosmischen Kräften aufgeladen und regeneriert zu werden«, erklärt Meier. Eine kontinuierliche vegetative Vermehrung schwäche die Pflanzen graduell. Im Bio-Anbau sei man zwar auch auf die »Cavendish« beschränkt, versuche sie aber zu stärken. Die Erwähnung »kosmischer Kräfte« löst in der Diskussion oft Widerspruch aus. Derlei wird als Spökenkiekerei abgetan. In der Regel allerdings ohne die Kenntnis der Zusammenhänge.

Was man so glaubt

Christoph Meier auf seiner Plantage Horizontes Organicos

Christoph Meier auf seiner Plantage Horizontes Organicos

Genforschung versteht man genauso wenig. Hält sie jedoch für glaubwürdiger. Dabei gibt es ganz praktische Erfahrungen, wie die Gestirne auf die Natur wirken. Unsere Vorfahren wussten etwa, dass man Holz nicht zu jedem x-beliebigen Zeitpunkt schlagen kann. Der Stand des Mondes beeinflusst offenbar die Säfte im Stamm. Das kann heute nachgemessen, aber eben nicht erklärt werden. Und das Gefühl sagt einem, dass doch mehr dahinter stecken könnte, wenn durch die Kraft des Mondes Ebbe und Flut hervorgerufen werden. Egal, ob man kosmische Kräfte für das Gedeihen von Pflanzen verantwortlich macht oder nicht. Klar ist, dass Landwirtschaft nicht nur unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten betrieben werden sollte. Denn die Entscheidung zur vegetativen Vermehrung hat hauptsächlich Effizienzgründe.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nun steht zu hoffen, dass die »Cavendish« lange überlebt, bis eine neue Sorte gezüchtet worden ist. Und dass man dann behutsamer mit der Pflanze umgeht. »Wenn das nicht gelingt, sind die Tage der billigsten Frucht einmal gezählt und die Banane wird nur noch als Luxus-Gourmet-Frucht zu haben sein«, warnt Christoph Meier. Jedenfalls für uns in Europa. Denn in den Ursprungsländern selbst gibt es Alternativen. Die sind jedoch für den Export nahezu ungeeignet oder entsprechen nicht unseren geschmacklichen Vorstellungen.

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