Zwei Märzen aus der Region

Posted on Mrz 18 2014 - 4:46am by Andreas Molau

Das Märzen gibt es gleich zweimal in der Region. Bei Wolters und im Brauhaus Goslar wird diese süffige Bierspezialität gebraut.

wolters_maerzenBiervielfalt ist unseren Breiten Programm. In Deutschland soll es über 5.000 verschiedene Gerstensäfte geben – untergärige und obergärige Sorten. Eine untergärige Sorte ist nach dem aktuellen Monatsnamen benannt. Bei diesen Bieren sinkt die Hefe auf den Boden des Gärtanks. Sie benötigen Reifezeit, wie ein guter Wein. Für die Herstellung sind Temperaturen unter 10 Grad nötig – ein Luxus, den die Menschheit erst kennt, seit ein gewisser Herr Linde eine funktionierende Kältemaschine produzieren konnte. Das geschah in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Vorher war das nur bis März möglich – bei einem Wetter wie in den letzten Wochen, wären die Brauer aufgeschmissen gewesen.

So einfach, wie es mit dem deutschen Reinheitsgebot ist, so kompliziert sind die historischen Verflechtungen mit Glauben, Brauchtum und Sitten. Nach Georgi, das ist der 23. April, durfte in alten Zeiten kein Bier gebraut werden – und zwar bis September zum Michaeli Tag. Man wollte auf das schäumende Getränk aber nicht verzichten und stellte deshalb ein stärkeres und damit lagerfähigeres Bier her. Das Märzen sicherte, dass der Sommerdurst gelöscht werden konnte. Ganz nebenbei bemerkt: In den Städten war es, besonders in den Sommermonaten, ratsam, möglichst wenig Wasser aus den Brunnen zu trinken.

Die Wiederentdeckung des Märzen

Es gab weder Kanalisation noch Abfallbeseitigung. In das kühle Nass wurde also entweder Alkohol gemischt. Oder in den unzähligen Hausbrauereien wurde Bier eingebraut und

Das Märzen vom Brauhaus Goslar.

Das Märzen vom Brauhaus Goslar.

sogar zum Kochen verwendet. All dies spielt heute natürlich keine Rolle mehr. Geblieben sind aber die vielen Sorten. Der Erfindungsreichtum wurde in Rezepten archiviert und die Brauer können aus dem Vollen schöpfen. Zum Beispiel die unserer Wolters. Seit einigen Jahren steht das Märzen wieder auf dem Programm des Hofbrauhauses.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurde an der Wolfenbüttler Straße bereits ein Märzen hergestellt und gern in der Löwenstadt getrunken. Danach war das Bier plötzlich verschwunden. Man sei stets auf der Suche, Traditionen aufleben zu lassen, so Peter Lehner gegenüber Kulinarisch38. Und das Märzen war eine gute Gelegenheit dazu. Man habe 2008 das alte Rezept aus der Versenkung geholt und die Bierspezialität neu gebraut. Bei Wolters war man begeistert von dem Ergebnis und brachte das Märzen erneut auf den Markt. Und das sehr erfolgreich.

Und das Märzen aus Goslar

Das Bier ist seitdem auf Erfolgskurs: bernsteinfarben, feinwürzig und vollmundig. Während der fünfwöchigen Lagerzeit bekommt es seinen besonderen Geschmack. Mit einem Alkoholgehalt von 5,4 % vol. sollte man beim Zechen allerdings mehr Vorsicht walten lassen als sonst. Neben Wolters gibt es noch einen anderen Anbieter in der Region. Odin Paul braut ebenfalls diese Bierspezialität. Und zwar im Brauhaus Goslar. Dort ist das Märzen seit dem 7. März am Hahn. Der Absatz sei gut, so der Betreiber der Braugaststätte. Er erwartet deshalb, dass es bereits Mitte April ausverkauft sein wird.

Ganzjährig und als Saisonspezialität

Das Goslarer Märzen ist, wie der große Bruder aus der Löwenstadt, bernsteinfarbig und süffig im Geschmack. Vom Alkoholgehalt liegt es knapp 0,2 Prozentpunkte unter dem Wolters. Das Bouquet erinnert an Karamell und dieser Eindruck verdichtet sich nach dem ersten Probeschluck. Den Alkohol merkt man kaum. Wie beim Braunschweiger Kollegen gilt daher: Höchste Trinkaufmerksamkeit ist geboten. Oder ein »trockener« Beifahrer ;).

Die Bernsteinfarbe stammt vom Red X Malz, verrät der Braumeister bei der Probeverkostung in Goslar. Während es das Wolters Märzen ganzjährig und in Flaschen abgefüllt gibt, muss (oder darf) diese Spezialität in der Kaiserpfalz frisch gezapft getrunken werden. Oder man füllt sich für die nächsten Tage eine Halbliter-Bügelflasche an der Theke ab. Flaschenbier aus dem Brauhaus Goslar gibt’s übrigens auch. Davon später mehr… Prost.

Brauhaus Goslar
Marktkirchhof 2
38640 Goslar
Telefon:05321 685804

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